Burg Gutenfels – geschichtliche Entwicklung

Am schönsten Theile des Rheinstromes, am Anfang des „Rheingaus“, dort wo die „Pfalz“, eine frühere Zollburg, mitten im Strome auf Felsen erbaut, mit ihren vielen Thürmchen und Erkern aus den grünen Fluten ragt, liegt das alte geschichtlich bekannte Städtchen Caub und 80 Meter hoch mitten über der Stadt das hochromantische „Schloss Gutenfels“ mit seinem stolzen 30 Meter hohen Bergfried, seinen massigen, schon aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Mauern und seiner reichen, ehrenvollen Geschichte, die von Hofrath A. J. Weidenbach, Oberst von Cohausen, Schulte vom Brühl, Johannes Trithem etc. erforscht und beschrieben wurde. Aus ihren Arbeiten ist der nachfolgende kurze Abriss entnommen.

Grundriss der Burg nach einem Plan von 1741

Caub, Burg und Stadt, nebst den Dörfern Weisel und Dörscheid gehörten um 1250 dem Gründer der Dynastenlinie Falkenstein-Münzenberg, Philipp I. von Falkenstein, dem Sohne Werners III. von Bolanden, der eine Isengard von Münzenberg zur Frau hatte. Als eifriger Anhänger der Hohenstauffen hatte Philipp I. 1253 eine Belagerung Seitens des Gegenkönigs Wilhelm von Holland zu bestehen, von dem 2 Urkunden vom 4. und 31. August aus dem Lager vor Caub (in castris ante Cubam) vorhanden sind.

Hier wird die Burg zum erstenmal genannt und zwar mit demselben Namen wie die Stadt, Cuba. Den Namen „Gutenfels“ erhielt die Burg erst im 16. Jahrhundert wegen der tapfern Verteidigung gegen die Hessen.

Als Philipp I. im Oktober 1271 starb, kam nach Streitigkeiten zwischen seinen Söhnen Caub mit Burg und Rheinzoll an Philipp 1I. von Falkenstein. Dieser verkaufte am 11. April 1277 für 2300 Mark Aachener Denare die Burg Caub und die darunter liegende Stadt mit allen Rechten (vornehmlich des Rheinzolles), dem Patronat zu Weisel etc. an den Rheinpfalzgrafen Ludwig und wurde erblicher Burgmann des Pfalzgrafen’) mit der Verpflichtung, in Zeiten der Not dort persönlich gegenwärtig zu sein, sonst aber einen tauglichen Ritter zu stellen. Wie wichtig und ausgedehnt damals schon die Falkensteinsche Burg gewesen sein muss, geht aus der großen Zahl der mit der Burg übergebenen Burgmannen hervor. Es finden sich in der Urkunde verzeichnet: Antilman von Diebach, Werner Gutende, Wenzo, Wilderich und Herbord Gebrüder und Söhne Waldemars, Dudo von Steeg, Christian, Anzilmann und Peter Gebrüder und Söhne Chusmi, Voglo und Heinrich Hunno Brüder Johannes von Lorch, dann Lambert und der Burgmann mit dem schönen Namen Heinrich Raubsack. 1287 am 28. März ) nimmt Pfalzgraf Ludwig den Grafen Adolph von Nassau, einen edlen, aber wenig begüterten Herrn, zu seinem Burgmann auf, der in nicht ferner Zeit den deutschen Königsthron besteigen sollte und dessen Nachkommen nach Auflösung des deutschen Reiches als souveraine Herzöge lange über Caub herrschten.

Graf Adolph von Nassau hatte nur eine kleine Hausmacht, Idstein, Weilburg und Wiesbaden, allein, war er auch nicht reich an Gütern, so war er desto reicher an persönlichen guten Eigenschaften, denn es rühmen seine Frömmigkeit, Tapferkeit, Gelehrsamkeit, wie seinen tugend- haften Wandel so viele seiner Zeitgenossen. Adolph wurde 1292 zum deutschen König erwählt; Bruder Werner von Saulheim erzählt dies also:

„Nach geschahe, dass der König Rudolff Römischer Kayser von dieser Welt Todes verschied und die Churfürsten nach ihrer Gewohnheit gehn Frankfurth kamen, einen andern König zu erwehlen, und den Edlen Mann, Graue Adolffen von Nassau vorgenannt, von seines Adels und starken vesten Gemüths wegen, auch von Miltigkeit und tugendlichen Wandels, indem er alle ander vbertraff, uff St. Johannis Tag, genannt ante portam Latinam erwähleten.“

In der Tat, auf einen Burgmann. dem solches Zeugnis ausgestellt wurde, durfte die Feste Caub stolz sein.

Unter denselben Bedingungen, wie den Grafen Adoph von Nassau, nahm Pfalzgraf Ludwig auch den Grafen Wilhelm von Catzenelnbogen am 6. Januar 1294 zum Burgmann in Caub an. dann starb er bald darauf, am 1. Februar, mit Hinterlassung zweier Söhne, Rudolph und Ludwig. Aus seinem Leben ist noch nachzutragen, dass er im Jahre 1289 mit den Brüdern von Milewalt in einen Streit geriet, der wie es scheint, zu einer Einnahme des Städtchens Caub führte. Später mussten die Brüder von Milewalt nach dem Beschluss eines Schiedsgerichts allen Schaden ersetzen.)

Als Pfalzgraf Ludwig starb, übernahm sein 20jähriger Sohn Rudolph, genannt der „Stammler“ die Regierung für sich und als Vormund seines erst zwölfjährigen Bruders Ludwig. Rudolph vermählte sich mit König Adolph’s Tochter Mechtild. Das Heiratsgut sollte 1000 Mark betragen, welche der König auf Reichslehen anwies, während Rudolph eine gleiche Summe als Widerlage und Witthum auf Heidelberg, Fürstenberg, Staleck, Stalberg, Caub und die Thäler Diebach und Bacharach anweist.) Mit dieser Vermählung ging Rudolph vom Hause Habsburg, dem seine Mutter als eine Tochter des Königs Rudolph angehörte, zu dessen Gegnern über. König Albrecht nöthigte Rudolph 1301 den jüngern Bruder Ludwig, der stets auf Habsburgischer Seite gestanden hatte, an der Regierung teilnehmen zu lassen. Bei der gewalttätigen herrischen Natur Rudolphs kam es mehrfach zum heftigen Bruderkriege, in dem er schließlich 1317 unterlag. Die bayerischen Lande fielen an den

Sieger, dazu fast alle Lande am Rhein, und der Besiegte behielt sich außer einigen Orten, darunter auch Caub, Burg und Zoll. nur ein jährliches Geding von 5000 Pfund Pfennige, 12 Fuder Wein und 3000 Käsen vor. Rudolph, der in den letzten Jahren ein unstetes Leben führte, starb 1319 in Wien.

lm Jahre 1314 war Ludwig als König gegen Friedrich von Oesterreich (den Schönen) gewählt worden, den er 1322 besiegte und gefangen nahm. Am 2. Januar 1324 verlobte sich König Ludwig mit Margaretha, der Tochter des Grafen Wilhelm vom Hennegau, welcher er als Heiratsgabe 11 000 Pfund Heller jährliche Einkünfte auf seine Vesten Caub, Fürstenberg, Reichenstein, Lindenfels und namentlich auf den Zoll zu Caub anwies’). Am 23. März desselben Jahres verlieh König Ludwig seiner Stadt Caub und dem Dorfe Weisel gleiche Freiheiten wie der Stadt Boppard ).

Unter der Regierung Ludwigs und seiner Nachfolger in der Pfalz ist der mit der Burg zusammenhängende Zoll zu Caub fortwährend der Gegenstand von Verhandlungen aller Art. Bereits Philipp I. von Falkenstein erhob Zoll in Caub; ein Teil desselben floss den Burgmannen unter dem Namen Knappenpfennig zu. Wie es aber zur Zeit des Interregnums mit allen Zöllen ging, so auch hier, sie dienten nur zu Erpressungen und waren ein Schrecken der Kaufleute. Philipp II. von Falkenstein fühlte wegen seiner Zollerpressungen später schwere Gewissensbisse und schenkte deshalb mit seiner Gemahlin Gisela den 12. November 1285 der Domkirche zu Mainz den Zehnten zu Hillesheim, weil, wie es in der Urkunde heißt, sie wegen der Zollerhebung zu Caub das Gewissen drücke’). Pfalzgraf Rudolph verpfändet 1310 den Zoll an seinen Schwager Gerlach von Nassau, bald darauf 1312 verleiht König Heinrich VI1. demselben Pfalzgrafen Rudolph wegen der bei seiner Wahl und Krönung gehabten Kosten den Zoll zu Caub auf Jahre). Es bestätigt das die Behauptung Widders, dass die Cauber Zollgefälle vormals zur Königlichen Kammer gehört hätten. Was also die von Falkenstein und nach ihnen die Pfalzgrafen am Zolle besaßen, war ihnen von den Königen besonders verliehen oder verpfändet worden, und es wird dadurch klar, weshalb bald die Könige, bald die Pfalzgrafen Verpfändungen von Gefällen, deren bestimmte Anteile Turnose hießen, vornahmen. Unter Ludwig dem Bayer finden wir noch folgende Verpfändungen:

Am 31. März 1324 gestattet er dem Wilhelm Wacher, dem Gottfried Slechpech und dem Johann genannt Chöch, Bürgern zu Frankfurt, seinen lieben Wirten, am Zoll zu Caub drei Turnosen so lange einzunehmen, bis ihnen 1200 Pfund Heller, welche er ihnen für Kost schuldet, gezahlt sind’). Am 17. April 1324 verpfändet er dem Grafen Gerlach von Nassau für eine Schuld von 3460 Mark und 550 Pfund vier Turnosen am Zoll zu Caub).

Im Jahre 1326 hielt König Ludwig oft Hoflager auf seiner Burg zu Caub, wo er am 28. Mai den Wilhelm von Brunsberg mit den pfälzischen Gütern belehnte und sich nach einem Abstecher nach Idstein wieder vom 2. bis 6. Juni aufhielt. In diesen Tagen befahl er am 2. Juni den Castellanen, Einnehmern und Schreibern am Zolle zu Caub, die Brüder des Deutsch-Ordens-Hauses zu Coblenz und deren Boten mit Getreide, Wein und Heu ihres Gewächses, desgleichen mit Holz und anderen zu ihrem Gebrauch nötigen Sachen unaufgehalten und zollfrei passieren zu lassen. Am 4. Juni versprach Ludwig die beiden Schlösser Caub und Fürstenberg, auf welche er seine Gemahlin Margaretha bewitthumt habe, nicht zu verpfänden, außer in ganz dringenden Fällen etwa an seinen Schwiegervater, den Grafen Wilhelm von Holland. Am 6. Juni ging der König nach Oberwesel, von dort nach Heidelberg, kam aber nach drei Wochen wieder nach Caub zurück, wo er sich vom 14. bis 16. Juli aufhielt und den Bund bestätigte, den die Bürger von Boppard mit denen von Bacharach, Diebach, Caub und all seinen Tälern zu gegenseitiger Hülfe geschlossen hatten.

König Ludwig machte Johann und Reinhard von Westerburg, wegen der Dienste, welche sie in Italien und besonders bei der Krönung in Rom geleistet. zu Erbburgmännern zu Caub. Auch erbaute er den Turm auf dem Pfalzgrafenstein und wurde deshalb und wegen der von da ausgehenden Zollbedrückungen von Papst Johann XXII. mit dem Bann belegt ).

Als die Verhältnisse zwischen dem Kaiser Ludwig und dem Papste Johann XÄII., gegen den Ludwig am 28. April 1328 in Rom das Todesurteil ausgesprochen hatte, immer schwieriger wurden, entschloss er sich, mit seinen Neffen zu teilen und gab im Vertrag von Pavia am l. August 1329 seinen Neffen Rudolph und Ruprecht von der Pfalz, sowie dem Sohne seines verstorbenen Neffen Adolph, Ruprecht dem Jüngeren, die altpfälzischen Güter zurück, darunter Caub, Burg und Stadt und den Pfalzgrafenstein. Der Kaiser behielt für sich Bayern.

Mehrere Jahre regierten Rudolph II. und Ruprecht I. mit ihrem Neffen Ruprecht 1I, oder dem Jüngeren, in Gemeinschaft. Sie schlossen am 17. März 1339 einen Burgfrieden, der Caub, Burg und Stadt, den Pfalzgrafenstein und die Mark, die dazu gehört, auf dem Wasser und auf dem Lande umfasste und das gegenseitige Verhältnis, vor allem auch die Frage über den zu ernennenden Burggrafen, regelte. 1342 war Cuno von Reiffenberg Burggrat, dem Ruprecht I. (der ältere), Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern ansehnliche Summen schuldete. 1355 am 3. Januar war Ruprecht in Caub anwesend und rechnete mit seinem Burggrafen ab, wobei unter den gepfändeten Liegenschaften auch ein Drittel der Schiefergruben zu Caub genannt sind, die also damals schon im Betrieb waren ). 1361 den 14. August schlossen die Pfalzgrafen Ruprecht der ältere und Ruprecht der jüngere einen neuen Burgfrieden wegen Caub, Burg und Stadt, Pfalzgrafenstein und Surenburg (Sauerburg) ab, woraus zu entnehmen ist, dass das Gebiet auch auf die linke Rheinseite übergriff.

„Dieser Burgfrieden soll angehen einerseits des Rheines an dem Staden (Gestade), daran Bacharach liegt, von der Leimbach bis an das Weseler Gericht, die Pützbach und den Berg hinauf bis an die Schlichte (die Hochebene); andererseits soll er angehen an dem Staden, daran Caub liegt, an dem Urbach, die Urbach hinaus bis an das Bornicher Holz, durch den Haen und zu Heppenheft bis an die Crumbach, dann die Crumbach hinaus zwischen Weisel und Rettershain durch den Wald, von da wieder auf die Hoen-Strasse (Höhenstrasse vom Wisperthal nach Braubach) entlang bis Ransel, dann wieder den Grund hinab, den man nennt Baechtchendal (heißt noch heute Bechtendelle (Sauerthal) und unter der Surenburg (Sauerburg) hin nach Waldeck und von da vor dem Lorcher Wald wieder den Grund hinaus gegen Frohborn (Frohborner oder Sauerberger Hof), dann oben über die Schlicht (Hochebene) bis zum Niederthal, (das Niederthal mündet 2 km oberhalb Caub und ist, mit dem Gebück besetzt, die Grenze des Rheingaues) dieses hinab bis auf den Rhein und also den Rhein wieder hinab bis an die Urbach.“

Es sind dies die Grenzen des pfälzischen Unteramts Caub und heute noch die Gemarkungsgrenzen von Caub, Weisel, Dörscheid und Sauerthal.

Zwei Urkunden aus dem Jahre 1349, vom 15. Mai und 19. August zeigen, dass Rudolph II., Pfalzgraf, für seinen Schwiegersohn König Karl IV. Burg und Stadt Caub zeitweise verpfändet hat. 1379 war Gerhard von Stein (Kahlenfels bei Kirn) oder Steinkallenfels, 1388 Johann von Liebenstein Burggraf und 1390 Meffrid von Braubach Burgmann auf Schloss Caub.

Am 3. Juni 1399 bekannte Johann Graf zu Solms, dass ihn Herzog Ruprecht der ältere zum Burggrafen gewonnen habe, wofür er ihm 300 Gulden zu zahlen versprochen etc. Als regierender Pfalzgraf folgte 1398 der Sohn Ruprecht des Jüngeren, Ruprecht III., den die Churfürsten am 21. August 1400 gegen den abgesetzten Wenzel auf dem Königsstuhl zu Rhense zum deutschen König wählten. 1403 am 21. April ernannte er den Symon Grans von Rheinberg zum Burggraf über Caub und Sauerburg auf Lebenszeit, dieser erhielt für jede Burghut 150 Gulden jährlich. Dafür muss er auf beiden Schlössern die Wächter, Thurmknechte und andere Knechte halten. So lang er lebt, soll er das Umgeld zu Caub einnehmen in alter Weise, wie das bisher der König als Pfalzgraf und die Stadt Caub eingenommen haben, und zur Aufhebung wählen, wen er will. Dieser sein Aufheber soll Macht haben, in eines Jeden Haus und Keller zu gehen, wo Wein gezapft wird, um nachzusehen, wie das gebräuchlich ist.

Am 16. März 1438 bekennt Margarethe von Stockheim, die Witwe des Beymung von Hohenstein, dass sie das Burglehen ihres Mannes behält, so lange sie Witwe bleibt und bis ihre Söhne zu ihren Tagen kommen.

Wir können nun einen guten Zeitraum überspringen und kommen zum Anfang des sechzehnten Jahrhunderts, wo im Jahre 1504 die Burgmannschaft und Bürger der Stadt Caub eine glänzende Probe der Tapferkeit bestanden.

Ab 1500

Churfürst Philipp von der Pfalz war wegen der Erbansprüche seines Sohnes, Pfalzgraf Ruprecht auf Bavern-Landshut, in einen schweren Krieg verwickelt worden, der in der Geschichte unter dem Namen des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges bekannt ist und von 1503 bis 1507 dauerte. Die Ursache des blutigen Krieges war folgende:

Herzog Georg der Reiche in Bayern (Landeshuter Linie) hatte seine einzige Tochter Elisabeth mit dem Pfalzgrafen Ruprecht, seinem Neffen, vermählt und ihn testamentarisch zum Erben seiner Lande eingesetzt, obgleich dem Reichsgesetz zufolge der Münchener Linie des Bayerischen Fürstenhauses die Erbschaft zugefallen wäre.

Als nun Herzog Georg am 1. Dezember 1503 gestorben, belehnte der Kaiser Max den Herzog Albrecht (Münchener Linie) mit den I ändern Georgs. Aber weder Ruprecht noch seine Gemahlin gaben sich mit dieser Lösung zufrieden. Sie fielen in die ihnen testamentarisch ver- machten Lande ein und ließen sich huldigen. Da belegte sie der Kaiser am 4. Mai mit der Reichsacht. Churfürst Philipp unterstützte seinen Sohn, und die Folge davon war, dass der Kaiser und der Herzog Albrecht und mit diesen eine Anzahl von großen und kleinen auf die pfälzische Macht eifersüchtigen Fürsten rüsteten und von allen Seiten in die unglücklichen pfälzischen Lande einbrachen. Dem Churfürst wurde bei der Menge der Feinde schwül, doch bat er vergebens beim Kaiser um Einstellung der Feindseligkeiten; nur der junge und feurige Pfalzgraf Ruprecht verzagte nicht, sein Selbstvertrauen war so groß, dass er eine Münze schlagen ließ, worauf zwei Knaben einem Löwen den Rachen aufrissen; auf seinen Waffenrock ließ er Spottreime auf seine Feinde einsticken und sagte u. a.:

..Ich will bleiben Pfalzgrat am Rhein
Und widerstehen allen Feinden mein
Und Pfalzgraf Ruprecht bleibe ich,
Eine neue Münz vermag ich,
Der ganze Bund steht wider mich,
Darwider streit ich ritterlich.“

Einer seiner schlimmsten Feinde in diesem Kriege war der Landgraf Wilhelm von Hessen, der mit der größten persönlichen Erbitterung Feuer und Schwert in die Rheinpfalz trug und dem sich wie zu einem Kreuzzug auf Beute und Abenteuer eine Menge von Fürsten und Herren angeschlossen hatte, so die Herzöge von Braunschweig und Mecklenburg, die Grafen von Leiningen, Lippe, Waldeck, Solms, Königstein und Andere.

Zuerst wurden die pfälzischen Orte an der Bergstrasse verwüstet, dann die Aemter Oppenheim, Alzey und Kreuznach verheert und endlich Caub mit seinen reichen Zollgefällen zur Beute ausersehen. Nach Johannes Trithem, einem Zeitgenossen, der die Geschichte des Krieges verfasst, und dieser Belagerung ausführlich gedacht hat, schlug der Landgraf am 18. August 1504 sein Lager einem Berge der Stadt gegenüber auf, nämlich auf der Bacharach gegenüber liegenden Rheinseite (jetzt Adolfshöhe, wo Reste der Verschanzungen noch zu sehen sind). Von dem Berge, wo der Landgraf sein Lager aufgeschlagen, konnten die Belagerer in die Veste und in die Stadt sehen, sobald sie nur den Gipfel bestiegen; die Geschosse waren jedoch wegen der Höhe des Berges nicht leicht in die Stadt zu werfen; stiegen sie aber vom Gipfel ein wenig herab, so konnten sie von denen in der Burg und in der Stadt leichter getroffen werden, als diese treffen, weil die Wurfgeschosse sicherer nach der Höhe als in die Tiefe geschleudert werden können. Deshalb kamen viele Hessen, welche mit ihren Geschossen bisweilen von dem Gipfel herabstiegen, durch die Würfe der Cauber um, während sie selbst keinen oder nur sehr selten Jemanden trafen, da die Geschosse in den Rhein fielen. Die Belagerung dauerte 39 Tage, während welcher der Landgraf Burg und Stadt unaufhörlich beschoss. Obgleich er dabei einen Teil des Turmes und der Mauer der Veste niederwarf, konnte er doch wegen der Unersteiglichkeit des Berges und bei der mannhaften Verteidigung derer, die darin waren, nicht hineindringen. In Caub lagen 1500 Streiter, die eine Menge Hessen töteten, welche in die Weinberge hinabstiegen, um die zu reifen beginnenden Trauben zu holen.

Am 28. August kam der pfälzische Heerführer Johann Landschad von Steinach mit 300 Reitern und anderem Volk von Kreuznach aus den Caubern zu Hülfe nach Bacharach und schlug am andern Tage auf der linken Rheinseite dem Feinde gegenüber sein Lager auf. Durch eifriges Beschießen über den Rhein suchte man sich gegenseitig Abbruch zu tun und der Geschützdonner war so stark, dass man ihn bis Kreuznach hören konnte. In der Nacht brachte Landschad einen Teil seiner Leute über den Rhein nach Caub.

Bei jener Belagerung wurde von dem Landgrafen manches sinnreich erdacht und viel Geld für Maschinen und Kriegsgerät ausgegeben. Er füllte Mörser mit Pech, Schwefel und anderem Brennmaterial und schleuderte solches von dem Caub überragenden Berge. Aber alles war vergebens, umsonst alle Mühe und nicht gering der Verlust, den er dabei erlitt, denn fast alle Geschütze sprangen bei dem ersten oder zweiten Schusse. „Ob das durch Zufall oder durch Zauberei geschah, (erzählt Trithem weiter) weiß ich nicht, obwohl damals in Caub ein Soldat war, der prahlerisch behauptete, er könne durch eine geheime, um nicht zu sagen feile Kunst, alle Geschütze zerspringen machen, wenn er auch nicht gegenwärtig sei, sobald er sie nur von ferne sehe oder ihren Donner höre.“

Da so die Leiter der Geschütze wegen der Höhe des Berges, wo der Landgraf sein Lager hatte, gegen Veste und Stadt nichts ausrichten konnten, weil der größte Teil der Kugeln in den Rhein fiel, ließ man am 4. September das schwere Geschütz, welches man Karthaunen nennt, an Ketten den Berg hinab und stellte es an einem tauglicher scheinenden Orte auf. Als am andern Morgen die Cauber sahen, dass die Hessen am Abhange des Berges mit ihren Maschinen beschäftigt waren, richteten sie sofort ihre Geschosse aus der Burg und der Stadt ohne Aufhören dahin, so dass jene die Geschütze, ohne von ihnen Gebrauch zu machen, verlassen mussten. Bei Nacht wagten sich dann einige kühne Männer aus der Stadt, zogen, unbemerkt von den Hessen, die Geschütze an den Rhein und brachten sie nach Caub. In der Nacht vom 4. auf den 5. September gegen 11 Uhr brach durch die Unvorsichtigkeit eines Mannes, der Pulver in die Nähe des Feuers gebracht hatte, ein Brand in der Stadt aus, wobei 20 Häuser abbrannten und 11 von den Kreuznacher Leuten jämmerlich umkamen.

Am 6. September traf der 26jährige pfälzische Churprinz mit 500 Mann zu Pferd und 600 Mann zu Fuß von Heidelberg in Kreuznach ein und marschierte am folgenden Tage den Caubern zu Hülfe nach Bacharach. Am selben Tage erhielt auch der Landgraf Verstärkung von 2000 Mann nebst Geschützen durch den Herzog Heinrich von Braunschweig und den Grafen von Lippe.

Nichtsdestoweniger sah sich der Landgraf gezwungen, am 25. September die Belagerung aufzuheben, weil er einsah, dass er trotz einer 39tägigen Dauer den Belagerten nichts anhaben konnte, und von den Feinden größeren Schaden erlitten hatte, als denselben von ihm zugefügt worden war. Sein Schaden an zersprungenen Geschützen und vergebens gearbeiteten Maschinen war sehr groß; mehr als 600 eiserne, nicht hohle, sondern dichte Kugeln, die er gegen Caub geschleudert, waren größtenteils in den Rhein gefallen. So endete diese durch die Treue und den Muth der Cauber denkwürdige Belagerung, deren Andenken die Stadt in Reimen pries, die noch heute auf einer Steinplatte an dem nun seit Anfang des Jahres 1867 aufgehobenen Rhein-Zoll-Amte zu lesen sind. Sie lauten:

Die Jar von crist geburt man zalt
fünffzehenhundert vnd vier alt
Von Sonntag nach mari Himelfert
wart cub sechsthalb woche belegert
mit gaczen macht vnd herescrafft
durch hessen die landgraueschafft.
Nünhundert steyn gehauwen
als ihr die groiss hie wol schauwen
Und echthundert drissig echt gegossen
sint fonde worden vo den verschossen
On die zerbroche vnd verlore seyn
auch etlich versuncken jn den ryn.
Und wie wol dass schloss nit war erbuwe
als es sit der zyt her von nuwen
Von pfaltzgraue Ludwig worde beuest
noch danoch musste die frembde gest
Cub by der paltz lassen bliben
Das ivir gottes gnade zuschriben
Und auch der werhafften handt
Dies behelt all vatterlandt.

 

 

Im Jahre 1508 ließ Pfalzgrat Ludwig, der Sohn des am 25. Februar desselben Jahres gestorbenen Churfürsten Philipp, die Burg Caub wieder herstellen und wie es aus obigen Reimen hervorgeht, stärker aufführen, als sie bisher gewesen war. Zum Andenken daran wurde über einem Thor nachstehende Inschrift angebracht:

Anno Domini MCCCCCVIII
Ward Guttenfels wieder gebauen
Durch Pfalzgraf Ludwig mit Trauen

Hier heißt die Burg also zum erstenmal „Gutenfels“, es ist also ein Ehrenname, erworben durch die ruhmreiche Verteidigung gegen die Hessen. Als Burggrafen resp. Burgmännner der wiederhergestellten Burg werden noch genannt:

1519 Martin von Wachenheim und Werner von Allendorf,
1525 Hans von Kirdorf und
1525 Stephan zum Jungen.

1522 und 1525 Kampf mit Franz von Sickingen und Bauernkrieg.

 

Ab 1600

1607 Kurfürst Friedrich IV. hat die Pfalz mit neuen Batterien von rotem Quaderstein versehen.

1620, 4. Oktober erobern die Spanier unter Ambrosius Spinola Bacharach und Caub. Spinola war nach der Rheinpfalz geschickt um die über den unglücklichen Churfürsten Friedrich von der Pfalz, den sogenannten „Winterkönig“, verhängte Reichsacht zu vollstrecken. Schloss Gutenfels, Caub und der Pfalzgrafenstein blieben bis 1631 im Besitz der Spanier, noch heute heißt ein Garten innerhalb der Burgmauern „spanischer Kirchhof.“ Bis zum Jahre 1631 blieb Gutenfels und die pfälzischen Orte in der Gewalt der Spanier, „da hat“, wie das Theatrum hist. univ. berichtet,, im Dezember auf Anordnung des Königs von Schweden, Landgraf Wilhelm von Hessen den Obristen Conrad von Usselen mit seinem Regiment abgefertigt, um sich Caubs, Gutenfels und der Pfalz zu bemächtigen. Der hat nun sich in der Stille hinbegeben, den 25. Dezember in der Nacht vorgemeldete Stadt eingenommen, indem er erstlich mit 400 Soldaten hineingekommen und etliche von der Besatzung niedergehauen hat, worauf sich die übrigen auf das Schloss und auf einen Turm, der Diebsturm genannt, retirierten. Durch solche Einnahme der Stadt Caub ist das Schloss und die Pfalz von einander abgesondert worden. Die Spanier stellten sich zwar Anfangs tapfer zur Wehr und schossen stark. heraus, nachdem aber der Oberst-Lieutenant Tylo von Usslar mit mehrerem Volk und drei halben Carthaunen auch vor das Schloss gezogen, und mit seinen Stücken stark darauf zu spielen angefangen, auch andrer Ernst gebraucht worden, haben die Spanier endlich auf beiden Seiten, dem Schloss und der Pfalz, accordirt und sind am 8. Januar 1632, Nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr mit fliegenden Fahnen, Sack und Pack abgezogen und von den Hessen zu Wasser bis Coblenz convoyirt worden.“

Nach der siegreichen Schlacht bei Nördlingen wurden Caub und Bacharach im Juni 1635 von den Kaiserlichen wieder erobert. Anfangs November 1645 bezog ein Regiment Franzosen Caub als Winterquartier, wurde aber 1646 durch die Kaiserlichen und Darmstädter bald wieder verjagt. Auch diese hielten sich dort nur bis Juni 1647 und mussten sich nach kurzem Widerstand dem Hessen-Kasselschen General-Lieutenant .Mortagni auf Gnade und Ungnade ergeben.

1647 wurde laut einer Inschrift das Zwingertürmchen und die abgetreppte Zwingermauer erneuert.

Der für die Pfalz so unglückliche Orleans’sche Erbfolgekrieg ging glücklich an Caub vorüber und so blieb die Veste, eine der sehr wenige am Rhein, bis zum Ende der pfälzischen Herrschaft in deren Besitz, und in gutem Stand, mit einer Besatzung und dem nötigen Geschütze versehen. Die ganze Garnison belief sich mit der vom Pfalzgrafenstein auf etwa 164 Mann. Sie hatte einen in Ruhestand versetzten Stabsoffizier als Kommandanten und unter ihm zwei Lieutenants, einen Kasernenverwalter, einen Zeughaus-Inspektor, vier Unteroffiziere und 110 Mann Invaliden auf dem Gutenfels, die übrigen Mannschaften auf dem Pfalzgrafenstein. Außenwerke waren drei Türme, der Leiterberger nach Dörscheid (jetzt Philippinenburg genannt), der viereckige Weseler unterhalb und der runde dicke Turm, auch Diebsturm genannt, oberhalb der Stadt.

Kommandanten auf Schloss Gutenfels waren folgende:

1663 Obrist Hans Reinhard von Rasenberger,
1685 Obristwachtmeister Cölestin von Freifeld,
1714 Obristwachtmeister Freiherr von Witzleben,
1738 Obristlieutenant Freiherr von Oldenburg,
1768 Obristwachtmeister Freiherr A. von Leinighausen,
1789 Obristwachtmeister Joset von Vang und
1796 Hauptmann Freiherr von Oberkamp.

Als die Franzosen 1793 an den Rhein gekommen waren, setzten etwa 250 Mann derselben zu Oberwesel über und erschienen vor der Knebeler Höhe (Dörscheider) herziehend, auf jenem dem Schlosse gegenüberliegenden Berge (dem Mühlberg).

Der französische Kommandeur forderte das Schloss zur Übergabe auf und nach wenigen Stunden war die Kapitulation abgeschlossen. Nach derselben mussten sich die Invaliden als Kriegsgefangene ergeben und alle militärischen Requisiten den Franzosen überlassen. Des andern Tages am 23. September streckten die ergrauten Männer auf dem Platz, die Hauptwache genannt, mit zitternden Händen das Gewehr und. wurden unter Eskorte jenseits des Rheines nach Henschhausen gebracht. Der französische Kommandeur ließ nun die Gewehre aus Gutenfels und Pfalzgrafenstein wegbringen und die drei eisernen Kanonen vernageln. Nach einigen Wochen, nachdem die Franzosen wieder abgezogen waren, machten sich die Invaliden (ganz gemütlich) wieder herüber und bezogen ihr altes Standquartier auf Gutenfels und Pfalzgrafenstein. Hier lebten sie nun bis zur Auflösung der Garnison (April 1803) unangefochten in Ruhe; statt der Gewehre bewaffnete sich jeder mit einem Knotenstock.

Im Jahre 1806 wurde die Burg auf Befehl des Kaisers Napoleon zerstört, kam an Nassau und wurde 1807 von der hochfürstlichen nassauischen Kammer, um die Kosten der Unterhaltung zu sparen, auf den Abbruch versteigert und in wenigen Wochen im Juni und Juli auf eine vandalische Weise zerstört. Nachdem nach und nach sämtliche zum Schloss gehörenden Weinberge und Grundstücke versteigert worden, wurde in den zwanziger Jahren auch die Ruine öffentlich verkauft und von dem um die Nassauische Geschichtsforschung so hoch verdienten Archivar Habel erworben, der auch noch die Burgen Thurmberg, Reichenberg, Eppstein und Miltenberg ankaufte und für die Erhaltung derselben besorgt war.

Als Habel am 2. Juli 1867 starb, vererbte er Ruine Gutenfels an seinen Neffen, den Kreisrichter Conrady in Miltenberg, welcher sie weiter im Stand hielt und im Jahre 1886 an Dr. Müller in Koblenz verkaufte, von dem der jetzige Besitzer sie im Jahre 1888 erwarb.

Die Burg Gutenfels