Freistaat Falschenhals – „Da die Liebe durch den Magen geht …“

Die größten Schwierigkeiten bereitete die Versorgung des Flaschenhalses mit Lebensmitteln. Von den Gemeinden des Freistaates waren es vier, nämlich Lorch, Lorchhausen, Kaub und Sauerthal, die kaum eine nennenswerte Landwirtschaft hatten. Aber auch in den anderen Gemeinden ging es knapp her. Darum mußte schleunigst die Lebensmittelversorgung organisiert werden, zumal die Gegner des Freistaates immer wieder behaupteten, daß wir durch die gegebenen Verhältnisse von unserer Verpflegungsbasis abgeschnitten seien und darum Hungers sterben müßten, wenn wir nicht zum besetzten Gebiet zurückkehren würden. Das erkannten wir auch, und da bekanntlich die Liebe durch den Magen geht, versuchten wir, die Lebensmittelversorgung des Flaschenhalses so zu lösen, daß die Bevölkerung neben allen anderen Entbehrungen nicht auch noch zu hungern brauchte. Der Beauftragte des Landrats Büchting für die Lebensmittelversorgung war der Großkaufmann Gotthard in Limburg, der seine Aufgabe glänzend gelöst hat und der sich deshalb neben Büchting dankbarer Anerkennung des Flaschenhalses erfreuen darf. Undankbar wäre es, wenn ich hier nicht des Vereins für chemische Industrie in Frankfurt a. M. und des stets unverdrossenen und hilfsbereiten Verwalters Ewald Schulte in Lorch ehrenvoll gedächte. Zu jeder Stunde stand der große Fuhrpark der Firma uns zur Verfügung: war Gotthard unser „Ernährungsminister“, so war Schulte unser „Eisenbahnminister“.