Freistaat Flaschenhals – Gerichtsverhandlungen nicht möglich

Schlimmer schon stand es mit der Rechtspflege. Bekanntlich bedarf es zur Veränderung von Gerichtsbezirken eines Landtagsbeschlusses. Außenpolitische Gründe mögen wohl maßgebend dafür gewesen sein, daß die Staatsregierung eine Änderung der Gerichtsbezirke nicht vornahm.

Die Einrichtung der nassauischen Ortsgerichte überträgt bekanntlich einen Teil der freiwilligen Gerichtsbarkeit dem sogen. Ortsgerichtsvorsteher. Mit Hilfe dieser Einrichtung kam man also schon weiter.

Anders aber war es mit dem Strafrecht. Nun darf zur Ehre des Freistaates Flaschenhals gesagt werden, daß die Bewohner friedliche Menschen waren, die trotz der Wirrnisse der Zeit nicht allzu oft mit dem Strafgesetz in Konflikt kamen: immerhin, Sünder gibt es überall, auch im Freistaat Flaschenhals. Wie sollte man nun denen beikommen? Die Strafsachen wurden bei den einzelnen Polizeibehörden bearbeitet, aber Gerichtsverhandlungen waren nicht möglich, und bald glaubten die Missetäter, daß es im Flaschenhals keine „Gesetzer“ (Strafgesetze) mehr gäbe. Darum fuhr ich zur Staatsanwaltschaft nach Limburg, und wir hatten dann bald eine prächtige provisorische Methode gefunden, durch die wir den wenigen Sündern des Flaschenhalses beikamen. Sie wurden nämlich zur Vernehmung zum Gericht nach Limburg vorgeladen, und wenn die Missetäter den Bußgang hin und zurück gemacht hatten, dann hatten sie ja fast schon reichlich ihre kleinen Delikte abgebüßt. Bald aber half man sich, indem die alten zuständigen Gerichte als an der Ausübung des Richteramtes tatsächlich verhindert bezeichnet wurden, worauf dann das übergeordnete Gericht die Angelegenheit dem Amts- und Landgericht Limburg übertrug.