Freistaat Flaschenhals – Passiver Widerstand

Inzwischen hatte sich Lorch glänzend gehalten. Die Herren des Magistrats (Karl Friedr. Altenkirch, Jos Diel, Paul Sahrholz), der Stadtverordnetenvorsteher (Ebert) und der Stadtsekretär (Keiper) haben in prächtiger Haltung die französischen Anordnungen zurückgewiesen. Sie mußten zum Teil ins Gefängnis, zum Teil in die Verbannung gehen. Es fanden sich immer wieder andere, die in die Bresche sprangen. Erst als unsere Behörden die Weisung ergehen ließen, nachgiebiger zu sein, wurde es etwas besser.

In der Zeit vom 25. Februar 1923 bis zum 16. November 1924 haben nicht weniger als zwölf Bürgermeister die Verwaltung der Stadt geführt. Wie die Stadtverwaltung, so verweigerten auch Post und Bahn die Ausführung der französischen Anordnungen, und so mußten denn auch drei Postbeamte (Ketzer, Kleudgen und Perabo) und vier Bahnbeamte (Berg, Zerfaß, Klippstein und Zell) teils ins Gefängnis, teils in die Verbannung gehen. In der Hauptsache wurden im passiven Widerstand Beamte ausgewiesen. Lorch ist keine Beamtenstadt. Trotzdem gab es 28 Ausweisungen bzw. Bestrafungen, darunter allein 19 von Privaten; einschließlich der Angehörigen waren 48 Personen verdrängt.