Freistaat Flaschenhals – Wie im Mittelalter

Die Fuhrleute des Flaschenhalses fanden nun reichlich Beschäftigung im Dienst der Lebensmittelversorgung, denn man bedenke, die Lebensmittel mußten ja in Limburg (später in Zollhaus) mit Pferdefuhrwerken abgeholt und nach dem Rhein geschafft werden. Das war bei den trostlosen Wegeverhältnissen natürlich außerordentlich schwierig, denn wiederholt mußte an schlechten Stellen Vorspann geleistet werden. Kein Fuhrwerk konnte deshalb mehr wie 15 – 30 Zentner aufladen. In dieser Zeit, in der die Mark immerhin noch einige Kaufkraft hatte, zahlten wir für den Zentner an Fracht von Limburg bis Lorch 20 Mark. Man bedenke, ein Zentner Kartoffeln z. B. war vorbelastet mit Fracht in Höhe von 20 Mark.

Aber die Geschichte klappte, und in kurzer Zeit war der Flaschenhals mit Lebensmitteln viel besser versorgt als die benachbarten besetzten Gebiete. Die Versorgung mit Schlachtvieh sollte ursprünglich auch von Limburg aus erfolgen. Ein Versuch genügte aber, um dazutun, daß es ganz unmöglich war, das Vieh auf unserer „Kunststraße“ an den Rhein zu schaffen. Wir wurden daher angewiesen, uns zu helfen, wie es nach Lage der Dinge überhaupt möglich war. Das geschah denn auch, wobei allerdings manch Pfündchen Fleisch über die „Grenze“ wanderte.