Kaub – Geschichte der Stadt ab 1850

1850, 30. Januar: Bei schwerem Eisgang wird dem goldenen Löwen (Wappenhalter an der Südspitze der Bastion) auf der Pfalz das Schwert aus der rechten Pranke gerissen. 3. Februar: Nach der Hochwassermarke am „Leienhäuschen“ (ehemalige Zollschreiberei von 1552) steht das Wasser etwa 3 m über der Zollstraße, was einem heutigen Pegelstand von 10,50 m entspricht. Das Wasser steht so hoch, daß man von der „Mauer“ (ehemal. Wehrgang der Stadtmauer, jetzt Hochwassernotweg) über der Spitalgasse in das Wasser greifen kann. Sogar der Fußboden der ev. Kirche ist überflutet.

1859 – 1861: Bau des Bahndammes und Anschluß an den Schienenweg Rüdesheim- Oberlahnstein.

1860: Ausbau der städt. Kanalisation.

1861, 26. Oktober: „Turnverein 1861 zu Caub“ gegründet, der nach Wiedergründung am 11. Juni 1949 in „Sportgemeinschaft Kaub 1861“ umbenannt wird.

1862: Eine Scharlachepedemie kostet 50 Kindern das Leben. Februar: Das Städterviertel (heutige Metzgergasse), im Volksmund einfach „die Stadt“ genannt, steht unter Hochwasser, so daß die männlichen Konfirmanden ihre Mitkonfirmandinnen „vor dem Zoll“ (Zollstraße) in einem Nachen zur Konfirmandenstunde abholen und ebenso wieder zurückfahren.

  1. Februar: Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke zwischen Rüdesheim und Oberlahnstein.

1863: Gründung einer privaten Handelsschule mit den beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch durch Norbert Joseph Sacrh (geb. 21. 6. 1822 zu Namur in Belgien). Diese Schule hat zuerst einen Raum im 1. Stock des alten Rathauses, Marktstr. 4, und siedelt mit über in das neuerbaute Schulhaus in der Schulstraße im Jahre 1868. Dem Institutsvorsteher Sacrb wird 1876 die Konzession entzogen und anschließend dem ev. Pfarrer Anthes eine solche für ein Privatinstitut für Knaben und Mädchen erteilt. Dieses besteht nur bis zum Herbst 1879 und muß wegen mangelnder Beteiligung und finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben werden.

1863/64: Feier zum 50-jährigen Gedächtnis des Rheinübergangs der Schlesischen Armee unter Blücher an Sylvester 1863 und am Neujahrstag 1864 mit Wiederholung des Brückenschlages zur Pfalz, wo eine eiserne Gedenktafel angebracht wird.

1864: Unter Bürgermeister Cornelius Fuchs wird im 3. und 4. Stock des ev. Glockenturmes eine neue Stadtuhr mit einem Werk der franz. Turmuhrtabrik Gebr. Ungerer aus Straßburg installiert. Die vorherige Stadtuhr des 17. und 18. Jahrhunderts hat noch ein eigenes Fachwerkglockentürmchen an der Südwestecke des Rautendaches. Dieses winzige Türmchen, in dem eine Glocke zum Anschlagen der Stunden hängt, wird 1873 enffernt. Die regelmäßige Wartung der Vierundzwanzigstundenuhr, die täglich von Hand aufgezogen werden muß, obliegt der Zivilgemeinde. Die jetzige Stadtuhr besteht aus 2 an der Nord- und an der Westwand des Kirchturmes angebrachten und 1950 erneuerten schwarzen Zifferblättern mit goldenen römischen Ziffern und Zeigern in Verbindung mit einem elektrisch gesteuerten Geh- und Schlagwerk.

1866: Das Herzogtum Nassau wird preußisch, damit auch Kaub.

1866 – 1868: Errichtung eines neuen Schulgebäudes im spätklassizistischen Stil (dreiflügeliger Backsteinbau) mit 6 Schulsälen und 5 Lehrerwohnungen auf dem von 1778 – 1845 als Totenhof genutzten Gelände, nach Bauplänen des Nassauer Baurates Eduard Zais. Der untere Stock des Südflügels mit einem Bürgersaal dient dem Magistrat von Kaub bis 1929 als Rathaus.

1867 1. Januar: Endgültige Aufhebung des Rheinzolls.

1869 31. Mai: Verkauf des alten Rathauses am Marktplatz (heute Friseurgeschäft).

1870 – 71: Am Feldzug gegen Frankreich nehmen 71 „Kauber Krieger“ teil, denen im Jahr 1891 durch den örtlichen Kriegerverein ein Ehrenmal auf dem Marktplatz gesetzt wird.

1873: An Stelle der ursprünglich vorhandenen Schlitzfenster (Schie6scharten) erhält der ev. Glockenturm die heutigen größeren Fenster und Schallarkaden.

1876: In der Nacht vom 10. zum 11. März verschüttet ein gewaltiger Bergrutsch 8 Häuser an der Hochstraße und vernichtet 25 Menschenleben. 1. Mai: Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta kommen mit einem Sonderzug nach Kaub und besichtigen die Unglücksstätte. 27. Oktober: Feuer im Hause Josef Werr. 5 Häuser des Städterviertels (darunter der Mainzer Domhof) werden eingeäschert.

1879: In der kath. Kirche wird eine neue Orgel aufgestellt, erbaut von Johann Klais, Bonn. 9. Februar: Zweiter Kauber Bergrutsch, der 3 neu gebaute Hinterhäuser der Hochstraße verschüttet. Während ein Pferd und mehrere Rinder unter den Schuttmassen umkommen, können sich alle Bewohner der zerstörten Gebäude retten.

1885 30. Dezember: Die Stadtgemeinde hat nach der Volkszählung 23 Altkatholiken, 571 Katholische, 1575 Evangelische, zusammen also 2169 Einwohner. Die Altkatholiken haben alle 4 Wochen Gottesdienst in der evangel. Kirche und bezahlen dafür eine Abgabe.

1887, 24. März: Gründung des „Kauber Schiffervereins“.

1888: Der Kölner Architekt Gustav Walter er- wirbt die Ruine Gutenfels, läßt sie größtenteils wieder aufbauen und wohnlich einrichten. Der Königssaal erhält 1892 eine prächtige Wandbemalung im historisierenden Stil durch den Maler A. Lüthi, die 1952 durch eine neue Wandmalerei ersetzt wird.

1889 September: Gründung des „Cäcilien- Vereins“ (kath. gem. Chor).

1890 – 91: Von November bis März ist der Rhein von der Loreley bis nach Mannheim zugefroren. 1893 17. Juli: Einem Großfeuer im Zöllerviertel, das im Gasthaus „Zur Stadt Mainz“ (Bes. Leonhard Herberich Wwe.) seinen Anfang nimmt, fallen 11 Gebäude zum Opfer.

1894: Gründung des Verschönerungsvereins. 18. Juni: Enthüllung des von dem Berliner Bildhauer Friedrich Schaper modellierten Blücherdenkmals in der Rheinallee am Jahrestag von Waterloo, u.a. in Anwesenheit des Generalfeldmarschalls Graf Waldersee.

1900: Zu Pfingsten erfoigt die Einweihung der 1. Kauber Turnhalle in der Schulstraße/Ecke Manneweg, auf dem Grundstück, wo 1928 das neue Rathaus errichtet wird. In dieser Turnhalle, ein zweistöckiger Fachwerkbau finden alle größeren kulturellen wie gesellschaftlichen Veranstaltungen Kaubs statt. Hier wird auch im Souterrain (Kellergeschoß) die „Kleinkinderbewahrschule“ (Kindergarten), unter Leitung der Diakonissin Frl. Finger, eingerichtet. Ferner haben die Schulkinder in der Turnhalle planmäßig Turnunterricht.

1901: Die Zahl der Schulkinder beträgt 454 (3 Knaben- und 3 Mädchenklassen), die höchste Schülerzahl, die Kaub vorzuweisen hat.

1902: Das Kauber Postamt zieht in das neuerbaute Postgebäude an der Marktstraße neben dem alten Kauber Rathaus ein. In der Zeit davor ist die Post in verschiedenen Privathäusern untergebracht: von 1860 – 1879 im Wohnhaus Poststraße 2 (daher auch der Name), dann vorübergehend in einem Wohnhaus der Bahnstraße, von 1880 – 1901 im Haus Schulstraße 4, 1901 zuletzt im alten Rathaus, Marktstraße 4. Die Post in Kaub ist mindestens seit 1759 nachweisbar. Zur nassauischen Zeit ist die Post ein Privatunternehmen der Fürsten Thurn und Taxis. Die Kauber Post wird in diesem Zeitraum meist von einem einheimischen Postexpeditor verwaltet. Die Zustellung der Poststücke erfolgt durch den Stadt- und den Landbrieftäger. Gegen eine Abfindungssumme von 3 Mill. Talern wird 1867 das Thurn und Taxis’sche Postwesen vom Königreich Preußen übernommen, die bestehenden Landespostverwaltungen werden zur Bundespost vereinigt. Ab 1871, nach Gründung des Deutschen Reiches, gibt es die Deutsche Reichspost, ab 1945 die Deutsche Post (Besatzungszeit) und ab 1950 die Deutsche Bundespost.

1904: Die kath. Pfarrkirche erhält unter Pfarrer Carl Knoedgen einen neuen, größeren Dachreiter (Glockenturm) für ein Geläute von drei Glocken nach Plänen der Wiesbadener Architekten Dormann und Leukart.

1904 – 05: Neuverlegung der Wasserleitung und Verbesserung der städt. Wasserversorgung nach bereits 1898 eingeleiteten umfangreichen Planungsarbeiten des Frankfurter Civilingenieurs Heinrich Pichler und des Kauber Obersteigers J. Kern. Die neue Wasserleitung wird mit Bergwasser aus Stollen der Gruben „Ernestine“ und „Rennseiter“ im Volkenbachtal versorgt. Gleichzeitig erhält die Stadt eine Acetylengasbeleuchtung, welche die vorher mit Petroleumlampen betriebene Straßenbeleuchtung ablöst. Die Gasanstalt steht am Ende der Schulstraße auf dem Grundstück, wo 1920 (nach Einführung der elektrischen Beleuchtung und Abriß des Gaswerkes) der Kauber Bürger Jacob Rörsch ein Gebäude errichtet und eine Weinbergschneckenzucht betreibt. Das Haus geht anschließend in den Besitz der Inneren Mission der Ev. Kirche über und dient seit 1925 (bis 1981) als Schifferkinderheim.

1905: Bau des 17,35 m hohen Pegelturmes 12 m wasserwärts vom Eisenbahndamm bei der Kauber Fähre nach Plänen der Königl. Rheinstrombauverwaltung (seit 1851) Wasserbauinspektion Koblenz. Der Kauber Pegel (Nullhöhe 67,6 m) ist der maßgebliche Wasserstandsanzeiger auf der sog. Gebirgsstrecke zwischen St. Goar und Bingen. Nach ihm richtet sich die Abladetiefe der Schiffe. Die Entwicklung des Güter- und Personenverkehrs auf dem unregulierten Rhein erfolgt anfangs sehr langsam. Zunächst gibt es Flöße bzw. Floßschiffe (seit der Bronzezeit), die auch zur Personenbeförderung benutzt werden sowie einfache Holznachen für den örtlichen Nahverkehr, bis sich im 13. Jh. die „Lauertanne“, ein breiter, primitiv ausgeführter Nachen entwickelt. Dieser bringt Waren von den Alpen bis zum Niederrhein und nach Holland, wo die Fahrzeuge meist zerschlagen und als Brennholz verwertet werden. Seit Mitte des 14. Jh. verkehren regelmäßig Marktschiffe zwischen Mainz, Koblenz und Köln. Im 16. Jh. bilden sich 2 Schiffstypen heraus, der „Oberländer“ (auch „Mainzer Lade“ genannt), gebaut für die Fahrt bis nach Köln und die „Kölsche Aak“, ein seetüchtiges, mit Segeln ausgestattetes Fahrzeug für Frachten bis nach England und zu den Ostseeländern. Im 17. Jh. fahren auf dem Mittelrhein Zweimaster mit voller Besegelung, sog. „Rang- oder Beurt-Schiffe“, aus denen sich der „Bönder“ mit Hotelaufbau am Heck entwickelt. Seit dieser Zeit besteht von Kaub aus zweimal wöchentlich Marktschiffsverkehr nach Bingen, im 19. Jh. auch nach Boppard. Zu Berg (stromaufwärts) werden die Oberländer (150 – 200 t Tragfähigkeit) immer, die übrigen Schiffe nur an Stromschnellen getreidelt. Vier bis zwölf Pferde der Treidler (Halfer), manchmal auch die 10 – 15 Schiffsknechte selbst, ziehen auf dem sog. Leinpfad an langen Tauen die hölzernen Schiffe bergwärts. Ein vom linken Ufer aus zu Berg getreideltes Schiff muß vor der Pfalz bei Kaub zum rechten Ufer überschlagen, und zwar einmal wegen der dortigen Zollabfertigung und zum anderen wegen des „Wilden Gefährs“(gefährliche Stromwirbel unterhalb von Bacharach). Nachdem der Zoll bezahlt und ein Steuermann an Bord gegangen ist, übernehmen Kauber Treidler das Weiterschleppen des Schiffes bis nach Rüdesheim. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffahrt (1816) werden die Treidler zunehmend arbeitslos, was ein Aussterben dieser einst in Kaub stark vertretenen Zunft zur Folge hat. Seit 1850 beginnt die Zunahme des Eisenschiffsbaues. Ein kurioses Zwischenspiel auf dem Rhein geben in den 70er bis 90er Jahren die Seildamper – „Hexen“ genannt – die sich an einem von Bonn bis Bingen im Strombett verlegten Stahlseil (43 mm e) das über ein mit Dampf angetriebenes Rollensystem läuft, stromaufwärts ziehen, wobei sie eine lange Kette kleiner Lastkähne mitschleppen. Um die Jahrhundertwende verkehren auf dem Rhein eiserne Schleppschiffe, die 1000 – 1300 t Trag- fähigkeit haben und von einem Seitenraddampfer (Räderboot), Schraubendampfer oder einem Motorboot gezogen werden. Die bis zu 1,5 km langen Schleppzüge, aus Räderboot und 3 – 5 Schleppkähnen, sind meist mit Massengütern beladen (z.B. Kohle, Steine, Kies, Sand, Erz, Getreide). Sie benötigen kundige Lotsen (Steuerleute), die jede Gefahrenstelle des sich je nach Pegelstand ändernden „Fahrwassers“ auf der Gebirgsstrecke kennen.

Die Entwicklung des Selbstfahrers bzw. Motorschiffes (Lastschiff mit eigenem Antrieb) so- wie die nach dem 2. Weltkrieg aufkommende Schubschifffahrt (bei der ein Antriebsschiff mehrere Lastkähne als Koppelverband vor sich herschiebt), führen zur Hochblüte des Lotsenstandes. Kaub wird am Mittelrhein zur wichtigsten und größten Lotsenstation mit über 100 Lotsen und eigenen Lotsenversetzbooten (1958). Seit der in den 70er Jahren durchgeführten Flußbettvertiefung und Rheinregulierung auf der gefährlichen Gebirgsstrecke werden Lotsen für die technisch gut ausgerüsteten Schiffe entbehrlich, so daß dieser alte, seit dem Mittelalter in Kaub vertretene Beruf in absehbarer Zeit ausgestorben sein wird. Sie erleiden ein gleiches Schicksal wie schon früher die Kauber Rheinzöllner, Fischer, Flößer, Marktschiffer, Boots- und Bojenbauer, Kies- und Sandfahrer, Rheinmüller, Treidler und Wahrschauer. Gegenwärtig verdienen noch wenige Lotsen sowie einige Fährleute und Schiffsführer ihren Lebensunterhalt „auf dem Wasser“.

  1. April: Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Kaub“. Vorher besteht eine Pflichtfeuerwehr, der alle Kauber Bürger von 18 – 50 Jahren angehören. Sie hat nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr noch 5 Jahre länger bestanden, um die junge Wehr auszubilden. Bei Ausbruch eines Feuers blasen drei Hornisten Alarm, der eine auf der Blücherstraße, der Schulstraße und dem Marktplatz, der zweite in der Metzgergasse, Zollstraße und Bahnstraße, der dritte muß die Feuerläufer wecken, die nach Weisel und Dörscheid laufen, um die dortigen Feuerwehren um Löschhilfe zu bitten. Heute wird der Alarm durch Sirenen (die erste seit 1942 auf dem Dach der Volksschule) ausgelöst. Die Wehren der Nachbarorte werden telefonisch angefordert. 1. Dezember: 518 Haushaltungen, Einwohnerzahl 2028 (1 436 ev., 592 kath.), davon männlich 958 (653 ev., 305 kath.) und weiblich 1 070 (783 ev., 287 kath.).

1906 Februar: Bergrutsch im Weinbergsgelände „Rauscheley“. 15. Februar: Gründung des Männergesangvereins. „Elslein von Kaub“.

1907: Einweihung und Aufstellung der von Kaiser Wilhelm II. dem Kriegerverein von 1870/71 geschenkten 2 Kanonen beim Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz.

1907/08: Neubau des ev. Pfarrhauses in der Schulstraße.

1908 2. Oktober: Grundsteinlegung zum Erweiterungsbau des seit 1870 in der Schulstraße liegenden kath. Pfarrhauses.

1909: Einrichtung einer Anlegestelle (Brückenstation) der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft (Übergabe am 20. Mai) unterhalb des sog. Holzplatzes. Die Niederländische Dampfschiffs-Reederei unterhält in Kaub eine Nachenstation. Am Rheinufer (am sog. „Stillen Wasser“) ist die erste Badeanstalt eingerichtet. Zur linken Rheinseite besteht regelmäßiger Motorbootsverkehr. Die von einem kleinen Motorboot gezogene Schlenkerfähre (bis 1958 im Einsatz, danach motorisierte Ponte) setzt Vieh, Pferdefuhrwerke und die ersten Kraftfahrzeuge über den Strom. Bis zum Beginn des 20. Jh. wird der Fährdienst noch mit geruderten Holznachen und Holzponten versehen. 1. Dezember: Kauber Viehbestand: 12 Pferde, 22 Rinder, 1 Schaf, 68 Schweine, 120 Ziegen, 353 Stück Federvieh und 49 Bienenstöcke.

1910: Kaub hat Post-, Telegrafen- und Fernsprechamt. Es besitzt mit 233 ha Weinbaufläche das größte Anbaugebiet am ganzen Rhein (bis 1926). Durch die Gründung von 3 Winzervereinen („Kauber Winzerverein, die Genossenschaften „Vereinigung Kauber Weingutsbesitzer“ und „Winzerverein Blücher“ wird eine bessere Vermarktung des Weines erzielt. Blüte des Handels (Schiefer- und Weinhandel nach Nord- und Süddeutschland), des Handwerks und des Hotel- und Gaststättengewerbes. Es gibt: 1 Apotheke, 1 Zimmereigeschäft (Bauunternehmen), 9 Bäcker, 1 Vorschuß- und Kreditverein, 1 Agentur der Nassauischen Landesbank, 5 Branntweinbrenner, 1 Buchbinder, 1 Buchhandlung, 11 Kolonialwarengeschäfte, 2 Manufakturwarengeschäfte, 2 Sattlereien und Tapeziergeschäfte, 3 Schlossereien, 1 Schmied, 4 Schneider, 3 Schreiner, 7 Schuhmacher, 2 Tüncher, 1 Uhr- macher,10 Weinhandlungen, 18 Wirtschaften, 6 Grubenbetriebe, 6 Metzger, 4 Maurer, 6 Küfer, 8 Dachdecker, 2 Gärtner, 6 Kohlenhandlungen und 85 Lotsen. Vorhanden sind 225 bewohnte und 4 unbewohnte Häuser sowie 4 sonstige Baulichkeiten.

  1. Juni: Ein Großbrand in der Metzgergasse vernichtet 3 Wohnhäuser mit 2 Hintergebäuden.

1913: Gründung der „Kauber Ehrengarde“ durch den Kaufmann Peter Dahlen, die bis in die 70er Jahre die Fronleichnamsprozession begleitet. 21.– 23. September: Jahrhundertfeier zu Blüchers Rheinübergang mit Aufführung des Festspieles „Caub“ (von Dr. C. Spielmann, Wiesbaden). Einrichtung des Blüchermuseums im ehemaligen Hauptquartier Blüchers, im Gasthaus „Zur Stadt Mannheim“. Gründer des Blüchermuseums ist der Kauber Ehrenbürger Werner Teschemacher aus Bad Ems, der durch Schenkung zahlreicher Gegenstände und Dokumente aus der Zeit der Befreiungskriege den Grundstock für das Museum gelegt hat.

1914 – 18: Im 1. Weltkrieg fallen 59 Kauber Kriegsteilnehmer, 50 werden mit der Tapferkeitsmedaille oder dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

1918 – 20: Kaub liegt im besatzungfreien Gebiet des „Freistaates Flaschenhals“ (nach der Form des Landkartenbildes zwischen Mainz und Koblenz).

1920: Erster elektrischer Strom (Überlandzentrale) der Main-Kraftwerke AG Höchst in Kaub und Ende der Acetylenstraßenbeleuchtung. 16. Januar: Der Pegelstand beträgt 7,93 m, der höchste Wasserstand seit Errichtung des Pegelturmes.

1921 8. Mai: Einweihungsfeier des Ehrenmals für die Gefallenen in dem Weltkrieg 1914 – 18. Insgesamt sind 84 Soldaten gefallen, gestorben oder vermißt.

1923: Gründung eines neuen „Cauber Winzervereins“. 20. Januar: Infolge des Rhein-Ruhrkampfes wird der passive Widerstand ausgerufen. Inflationspreise am 10. Oktober: Z.B. 1 Brot 66 Mill. Mark, 1 Pfund Butter 500 Mill. Mark, 1 Ei 20 Mill. Mark, 1 Schoppen Wein 235 Mill. Mark; am 1. Dezember: 1 Brot 1 Billion 300 Milliarden Mark, 1 Schoppen Wein 1 Billion Mark. 1925 25. Februar: Besetzung der Stadt durch französische und marokkanische Truppen. 24 Personen werden ausgewiesen, 6 werden bestraft, eine wird erschossen.

1929: Im März Umzug des Magistrats von der Volksschule in das große, 1928 erbaute Rathaus (an der Stelle der 1927 abgerissenen Turnhalle), Schulstr. 33.

  1. Juni: Großfeuer auf der „Kauber Platte“. Sämtliche Hofgebäude, sowie 4 Kühe und 3 Schweine werden ein Raub der Flammen. 18. November: Die kath. Pfarrgemeinde er- wirbt unter Pfarrer Bleutgen das sogen. „Gesellenhaus“ (auch „Vereinshaus“) in der Blücherstraße als Pfarrheim (bis 1958).

1931 8. Januar: Bergrutsch im Blüchertal hinter den Häusern Blücherstraße 19 und 21 (Weinbergsgelände zwischen dem Leiterberger Turm und dem Lochbrunnen). Durch Bau einer Eisenbetonstützmauer, deren Gesamtkosten 4500 Mark betragen, wird die Bergrutschgefahr für die Häuser der Blücherstraße gebannt.

1933: Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler nehmen die Ehrenbürgerschaft von Kaub an. Umbenennung des Marktplatzes in Hindenburgplatz und der Schulstraße in Adolf- Hitler-Straße, was bei Kriegsende 1945 wieder rückgängig gemacht wird.

950-Jahr-Feier mit historischem Festzug. Aufstellung des Zuges: „Caub 983 – 1933“ 1. Germanengruppe (Krieger, Jäger, Fischer mit Einbaum, Kinder), 2. Krümperwagen (Till Eulenspiegel, Bauersleute, Dr. Eisenbart, Stadtknechte), 3. Caub 983 (Wagen Kaiser Otto II. bestätigt dem Erzbischof Willigis den Besitz von „Cuba villula“), 4. Zunftwesen (Bäcker, Schlachter, Schneider, Küfer, Zimmermann, Schmied), 5. Caub 1504 (Elslein von Kaub, Stückgießer Welzer, Henne Schwarz, die Pfalz mit Geharnischten), 6. Der Wein (Bacchus, Winzerinnen, Winzer), 7. Kauber Dachschiefer (Bergknappen, Zwerge), 8. Caub 1813/14 (Blüchergruppe, russische Pioniere, russisches Ponton, Kanone, Feldmarschali Blücher mit Gefolge), 9. Caub 1913/23 (Feldgraue, feindliche Gefangene, Wagen: Inflation, Kolonienraub, Hamsterzeit: Hamsterer), 10. Aufwärts (Vaterländische Verbände) 11. Caub 1933 (SA und SS).

1934: Die Stadt erhält das Recht zur Führung des Theonest-Wappens (Entwurf von Ad. M. Hildebrandt). Dieses Wappen gilt bereits seit 1907 als Stadtwappen und hat folgende Blasonierung (Beschreibung): „In Blau ein Bischof in goldenem Gewand, mit silberner Mitra und goldenem Nimbus, mit segnend erhobener Rechten und dem silbernen Stab in der Linken, wachsend aus einem durchlöcherten Schiff, beseitet von 2 goldenen Engelchen, deren eines rechts neben ihm, das andere auf dem zinnenbekrönten Rudersteven steht“. Das Wappen geht auf ein altes Stadtsiegel aus dem 14. Jh. zurück, das den durch 2 Schlüssel gekennzeichneten hl. Petrus zeigt, der aus einem halbmondförmigen Quadermauerwerk mit Turm und Tor (und nicht aus einem Kahn) aufwächst. Nach offensichtlichem Wechsel des Schutz- heiligen zeigt ein späteres Gerichtssiegel (Siegel des Schulthei6en von Kaub und der 7 herzoglichen Schöffen 1315 – 1387) den heil. Nikolaus in bischöflichem Ornat mit Heiligenschein, Krummstab und Bibel in halber Figur über einer niedrigen Mauer mit Tor und Schießscharten. Das nachfolgende Gerichtssiegel (1390 – 1761) zeigt ebenfalls einen Bischof mit zum Segen er- hobener Rechten und Krummstab über einem am Heck mit Zinnen versehenen Boot, das eine tief beim Wasserspiegel liegende Luke hat. Vorne und hinten im Schiffchen stehen zwei beten- de Engelsfigürchen. Der Bischof wird nun als St. Theonest, die Schiffsluke als Loch im Kahn (Kufe) gedeutet. Außer dem vorerwähnten Gerichtssiegel sind noch 5 Ratssiegel (1412 – 1802) bekannt, die alle das herrschaftliche Emblern, den bayerisch-pfälzischen Rautenschild (11 1/2 blaue Rauten in silbernem Feld), enthalten. Die Stadtsiegel zur nassauischen (ab 1803) und die preuBischen (ab 1867) zeigen ebenfalls einen Wappenschild mit dem Nikolaus – bezw. Theonestmotiv, jedoch hat der Kahn kein Loch und die Engelsfigürchen sind durch schwebende Engelsköpfchen ersetzt.

1935 – 36: Ausbau der Rheinuferstraße (B 42).

1939, 17. Mai: Die Stadt hat 2357 Einwohner. September 1. Beginn des 2. Weltkrieges um 4,45 Uhr, der mit der Gesamtkapitulation Deutschlands am 9. Mai 1945, 1,00 Uhr, endet.

1942, 13. August: Beschädigung der Pfalz durch einen amerikanischen Fliegerangriff. Mit einem Kostenaufwand von DM 13000 wird der Schaden von Juli bis September 1949 wieder beseitigt. 1944 26. Oktober: Bei einem Tieffliegerangriff auf den von St. Goarshausen kommenden Personenzug um 14 Uhr trifft eine Bombe das Haus des Rendanten Müller in der Rheinuferstraße. Eine Frau mit Kind, die verschüttet sind, können aus den Trümmern gerettet werden. Der Zug, der am Friedhof zum Halten kommt, wird von Maschinengewehrsalven getroffen. Es gibt Verwundete und Tote. Unter den Getöteten ist ein Kauber Steuermann.

1945, 17. März: Das in den letzten Kriegstagen in der Volksschule eingerichtete Hilfslazarett wird aufgehoben. Wegen dieser Verwundetensammelstelle werden alle kämpfenden Truppen aus dem Stadtgebiet abgezogen und die Geschützstellung auf der „Kauber Platte“ wird verlegt. 19. März: Sprengung der Landebrücke (Schiffsaniegestelle) und der Fähre. 22. und 23. März: Beschießung der Burg Gutenfels von der gegenüberliegenden Rheinseite. 24. März: Burg und Erbstollen werden beschossen (1 Toter und 1 Verletzter), das Konsumgebäude (Blücherstr. 2) erhält einen Treffer, die Apotheke wird beschädigt. 26. März: Amerikanische Panzertruppen überqueren den Rhein oberhalb von Oberwesel und rücken gegen 14 Uhr in Kaub ein. Kein Widerstand der Bevölkerung und Hissen weißer Flaggen und Bettücher an den Häusern. 7. Juli: Die Amerikaner verlassen die Stadt und französische Truppen folgen nach. Bis zur Bildung des Landes Rheinland-Pfalz im Jahre 1946 gehört Kaub zur französischen Besatzungszone.

1947, 3. November: Der Kauber Pegel zeigt 0,42 m an, der niedrigste bekannte Wasserstand des Rheines.

1948: Bau einer Leichenhalle am Friedhof.

1950: Erneuerung des Außenputzes der ev. Kirche.

1952: Gründung der Kauber Jugendfeuerwehr. 13. September: Kaub hat 2554 Einwohner, darunter zahlreiche Flüchtlingsfamilien. Die GemarkungsgröBe beträgt 1 298 ha. 20. November: Als älteste Einwohnerin feiert Frau Johannette Napp ihren 100. Geburtstag. Ehrung der Jubilarin auf dem Marktplatz durch die Gemeinde und die Volksschule in Anwesenheit von über 300 Schulkindern.

1952 – 54: Kauf der Burg Gutenfels durch Bergrat a. D. Werner Dubusque. Nach gründlicher Renovierung (u.a. Einbau einer Großküche) dient die Burg als Erholungs- und Ausbildungsheim der Klöckner-Bergbau Victor Ickern A. G. Duisburg.

1953: Am Pfingstsonntag rast ein holländischer Bus, bei dem die Bremsen im „Kauber Stich“ (Blücherstraße) versagen, in die Hindenburg-Apotheke am Marktplatz, wobei 37 Personen verletzt werden. Am 31. 7. 1938 ist schon einmal ein Omnibus an gleicher Stelle in die Apotheke hineingefahren.

1953 – 54: Erweiterung der kath. Kirche durch Abriß und Verlegung des Chorbogens und Neubau des Chores mit darunterliegender Krypta und Sakristei. Auf dem benachbarten Felsen am sog. „Grafenhaus“ wird ein neuer Glockenstuhl mit 3 neuen Glocken und elektrischem Läutewerk errichtet. Innenrestaurierungen erfolgen 1955 – 56 und 1972 – 73.

Im Herbst werden umfangreiche Arbeiten der Main-Kraftwerke AG am elektrischen Ortsnetz durchgeführt. Die Stadt erhält ein neues Transformatorenhaus und 176 neue Straßenlampen. 1955: Ende Januar beträgt der Pegelstand des Rheines 7,51 m. An Pfingsten findet ein großes Schifferfest statt, bei dem der Schiffermast und das neue Lotsenhaus am „Hohem Wurf“ eingeweiht wer- den. 25. Oktober: Gründung der „Marinekame- radschaft Blücher“.

1956: Die ev. Kirche erhält eine elektrische Läutemaschine Modell „VOCO“ aus Herford. 12. Mai: Das Innenministerium von Rhein- land-Pfalz verleiht der Stadt Kaub ein neues Wappen, das einen quadrierten Schild zeigt. Die blau-weiße Rautierung symbolisiert die über 500-jährige Zugehörigkeit zur Kurpfalz. Die drei Wappensymbole Rheinstrom mit Anker, Weinrebe mit Traube sowie Schlägel und Eisen versinnbildlichen die Hauptberufsstände in Kaub, nämlich Schiffer, Winzer und Bergleute.

1957: Baubeginn der Gymnastikhalle neben der Volksschule.

1958, 13. Juli: Übergabe des Wasserwerks am Viktoriastollen, des Sportplatzes an der „Alten Kirch“ und der Gymnastikhalle. 29. November: Einweihung des neuen Jugendheimes der kath. Pfarrei in der Schulstraße durch Abt Petrus Möhler, Kloster Schönau.

1959: Die Klöckner-Werke AG verkauft die Burg Gutenfels an die Fa. Rei in Boppard. Der Fabrikant Willi Maurer erklärt am 23. 6. Gutenfels zur Europäischen Jugendburg (bis 1974, anschließend Nutzung als Schloßhotel).

1960: Die 3 Städte Oberwesel, Bacharach und Kaub schließen sich als „Die romantischen Drei vom Mittelrhein“ zu einem Fremdenverkehrszweckverband zusammen, der durch einen Festakt auf Burg Gutenfels bekräftigt wird. Elektrifizierung der rechtsrheinischen Bahnlinie und Bau eines jeweils zweiten Tunnels an Roßstein und Loreley.

1963, 4. Januar: Gründung der „Schützengesellschaft Blücher Kaub“ mit Luftgewehr- und Kleinkaliberschießstand im linksseitig gelegenen Gewölbekeller der historischen „Stadt Mannheim“, Blüchers Hauptquartier 1813/14.

1964: Bau des Waldschwimmbades unterhalb des Sportplatzes „Alte Kirch“ im Blüchertal.

1965, 15. Januar: Brand im Haus Westenburger (Schulstr. 6), der ein Menschenleben kostet. 20. Mai: Während eines Deutschlandbesuches verläßt die englische Königin Elisabeth II. in Kaub das Rheinschiff Loreley und wird vom Bürgermeister der Stadt, Helmut Busch und dem Elslein von Kaub, Brita Ysner, willkommen geheißen. 3. Juli: Fertigstellung und Übergabe des neuen Freibades mit dem Namen „Elsleinbad“. Einweihung des neuen Ehrenfriedhofes für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

1966, 5. Januar: Bewaffneter Raubüberfall auf die Nassauische Sparkasse am Marktplatz. Die drei jugendlichen Bankräuber aus Wiesbaden, die eine Bankangestellte durch einen Pistolenschu6 verletzen, erbeuten rund 9500,– DM. Sie werden am selben Tag bei Hahnstätten von der Polizei gefaßt.

1968, 12. Juli: Feier zum 100-jährigen Bestehen des Volksschulgebäudes im kath. Jugendheim.

1970: Renovierung der Rheinpromenade durch Neugestaltung der Grünflächen, Gehwege, Springbrunnen und Parkplätze.

1971: Beitritt zum Schulverband St. Goarshausen und Überführung der Schulklassen 5 – 9 zur Loreleyschule (Mittelpunktschule). Die Grundschule bleibt mit den Klassen 1 – 4 am Ort bestehen.

1972: Die Gebietsreform in Rheinland-Pfalz führt zur Bildung der Verbandsgemeinde Loreley, die aus den Städten St. Goarshausen und Kaub sowie den Gemeinden Auel, Bornich, Dahlheim, Kestert, Lierschied, Lykershausen, Nochern, Patersberg, Prath, Reichenberg, Reitzenhain, Sauerthal, Weisel und Weyer besteht. Zur Karolingerzeit (700 – 1000 n. Chr.) zählt Kaub und Umgebung gebiets- und verwaltungsmäßig zum Einrichgau, der die Landschaft zwischen Rheingau (Wisper), Niederlahngau (Dörsbach) und Engersgau (Lahn) einschließt, wobei der Rhein die Westgrenze markiert. Als einziger rechtsrheinischer Besitz der Pfalzgrafschaft bei Rhein (Sitz Heidelberg, später Mannheim) ist Kaub ursprünglich eigener Amtsbereich. Seit dem 15. Jh. bildet die Stadt mit den Dörfern Weisel, Dörscheid, Sauerthal und dem Hof Fronborn (Sauerberger Hof) ein kurpfälzisches Unteramt, das dem linksrheinischen Oberamt Bacharach unterstellt ist. Es bestehen vielfältige Beziehungen zur kurtrierischen Stadt Oberwesel, zu den damals hessischen Orten Bornich und Ransel, den Klbstern Schönau (bei Strüth) und Eberbach und zum Deutschen Ritterorden (Koblenz). In den 20er und 30er Jahren des 17. Jh. gehört das Unteramt Kaub zum hessischen Amt Rheinfels (St. Goar), 1803 kommt das Gebiet an das Fürstentum Nassau-Usingen, 1806 zum Herzogtum Nassau. Bis 1816 ist Kaub noch selbständige Amtsstadt, verliert dann den Amtssitz an St. Goarshausen und gehört von 1849 bis 1885 zum Rheingaukreis mit dem Kreisamt Rüdesheim. Es wird wie das übrige nassauische Land 1866 preußisch. Die Stadt Kaub gehört seit 1886 zum Landkreis St. Goarshausen, der eigener Kreis im Regierungsbezirk Wiesbaden, später Montabaur ist. Seit 1969 ist Kaub die südlichste Stadt des Rhein-Lahn-Kreises (Sitz in Bad Ems) im Regierungsbezirk Koblenz. Im Laufe des Jahres kommt die Dachschieferindustrie, zuletzt auf der Zeche „Wilhelm Erbstollen“ von den „Vereinigten Schieferwerken Schilling“ in Goslar betrieben, durch Konkurs endgültig zum Erliegen. Wenig später stellt die Grube „Kreuzberg“ im Bereich von Dörscheid ihren Betrieb ein.

1973: Nach einem Teilflurbereinigungsverfahren, das den Winzern die Bewirtschaftung der steilen und einst schwer zugänglichen Rebhänge erleichtet, verfügt Kaub nur noch über 71 ha bebaute Rebfläche. Während früher viele sog. „Feierabendwinzer“ (hauptsächlich Bergleute und Lotsen) auf unzähligen kleinen Parzellen Weinbau betreiben, sind es heute nur noch wenige Kellereien bzw. Weingüter, die den in aller Welt bekannten Kauber Qualitätswein – vornehmlich der Sorte Riesling – erzeugen und vermarkten. Bau des neuen ev. Kindergartens am Manneweg. 4. April: Besuch des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Franz Jonas und des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Dr. Helmut Kohl.

1974: 650 Jahrfeier (27. 4.– 5. 5.) anläßlich der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1324 durch Pfalzgraf und König Ludwig den Bayern. Festakt auf Burg Gutenfels und historischer Festzug.

1978: Umzug der Stadtverwaltung vom großen Verwaltungsgebäude in der Schulstrasse 33 in das neugestaltete kleinere Rathaus (renovierter Fachwerkbau) in der Metzgergasse 26. 17. Januar „Kauber Tennisclub“ gegründet. 3. Juli Besiegelung des seit 1972 bestehenden Freundschaftsbundes zwischen der niederländischen Stadt Gorssel und Kaub auf dem Pfalzgrafenstein.

1980: Die evangel. Kirche erhält im Herbst eine neue Glocke. Im erneuerten Glockenstuhl des romanischen Turmes hängen noch drei Glocken, die älteste (undatiert) sog. Schul- oder Abendglocke hat Meister Peter von Mentes (von Mainz) um 1378 – 80 gegossen, die beiden anderen, die mächtige, 4 t schwere Brandglocke und die etwas kleinere Vaterunserglocke stammen von den Meistern Matthias Mencer (von Mainz) und Ulrich von Germersheim aus dem Jahre 1413.

1981: Schließung des im Jahre 1925 eingerichteten Schifferkinderheimes durch die Innere Mission wegen Unterbelegung und Unrentabilität.

1982: Kaub hat 1323 Einwohner, etwa die gleiche Zahl wie um 1830. Renovierung und Erweiterung des Blüchermuseums. 10. Dezember Gründung des „Vereins der Freunde und Förderer des Blüchermuseums Kaub e.V.“. Erster Präsident des Fördervereins wird Hasso v. Blücher, ein direkter Nachkomme des berühmten Marschalls „Vorwärts“.

1982 – 83: Renovierung der ev. Kirche, die einen neuen Fußboden, eine elektrische Beheizung, eine neue Beleuchtung und neues Kirchengestühl erhält.

Bau einer biologischen Gruppenkläranlage am Rheinufer unterhalb des Kauber Friedhofes.

1983 5. April: Beginn der Kanalisations- und Straßenbauarbeiten in der Blücherstraße.