Kaub – Geschichte der Stadt von 1350 – 1600

1353: Erste Erwähnung des Schieferbergbaues, als Pfalzgraf Ruprecht I. der Ältere dem Kuno von Reifenberg die Verpfändung über 1/3 Schieferzehnten zu Kaub für 400 Pfund Heller bestätigt. Kauber Schiefer soll schon beim Bau des Limes verwendet worden sein. Durch den besonders hohen Anteil an Kieselsäure (60 – 64%) nimmt der Schiefer kaum Feuchtigkeit auf und hält somit Jahrhunderte der Verwitterung stand. Die zahlreichen Pingen in der Gemarkung, die ältesten auf dem Geißenberg und Herrenberg aus dem 13. Jahrhundert, belegen den zu jener Zeit schon beträchtlichen Schieferbergbau.

1357- 1378: Erbvereinigung der Pfalzgrafen. Bacharach, „Cube“, die Burg und Stadt sowie die Feste Pfalzgrafenstein im Rhein sollen ewig bei der Pfalz bleiben.

1358, 19. Juli: Pfalzgraf Ruprecht I. d. Ä. bestellt eine Anzahl Ritter zu Burgmännern. Diese erhalten die Vergünstigung, 12 Fuder Wein bei Kaub und Bacharach zollfrei vorbeizuführen. 8. September: Der Mainzer Erzbischof Gerlach erläßt gemeinsam mit dem Kurfürsten von Trier und der Pfalz einen neuen Zolltarif für Boppard, Koblenz, Ehrenfels, Lahnstein, Bacharach und Kaub.

1368, 15. Juli: Pfalzgraf Ruprecht I. d. Ä. erlaubt seinem Münzmeister Wymchen von Aachen vier Jahre lang in Kaub zu münzen. Einzige urkundliche Erwähnung Kaubs als Münzstätte.

1369, 2. November: Pfalzgraf Ruprecht I. d. Ä. bewilligt Philipp v. Isenburg, Herrn zu Grenzau, am Zoll zu Kaub einen großen Turnos bis zu 3000 Gulden zu erheben und die Summe „was ime dar noch usstet“ Jakob dem Juden von Montabaur und Gottschalk seinem Eidam zu verpfänden. Ein Turnos ist eine Münze, von welcher 15 auf einen „guten Schiidgulden“ und 12 auf einen „kleinen Gulden“ gehen, ansonsten ist er ein bestimmter Anteil an den Zollgefällen (Zolleinnahmen).

5. November: Ruprecht I. d. Ä. verschafft dem Grafen Dietrich von Katzenelnbogen für seine Dienste 2000 Gulden auf 2 großen Turnosen am Zoll zu Kaub. 10. Dezember: Pfalzgraf Ruprecht I. d. Ä. bewilligt Philipp von Isenburg von 4000 Gulden, die er am Zoll zu Kaub verschrieben, 1800 schwere kleine Gulden den Juden Jakob und seinem Ei- dam Gottschalk zu Montabaur zu verpfänden.

1370, 23. Februar: Pfalzgraf Ruprecht I. d.Ä. genehmigt Werner Knebel von Katzenelnbogen (1361 Burggraf zu Stahleck und 1383 auf der Sauerburg) und seinen Brüdern, da6 sie ihr Haus, welches sie früher besessen, mit Stall und Garten, gelegen „by der obristen porten in unser stad zu Cube by dem borne“ an den dortigen Bürger Peter Kremer für 7 Mark Pfennige jährlich verpachten.

1403, 21. April: König Ruprecht von der Pfalz (Sohn Ruprechts II. d.J., Wahl zum dtsch. König am 21. 8. 1400 auf dem Königsstuhl zu Rhense) bekennt, daß er den Simon Grauß von Rheinberg zu seinem Burggrafen zu Kaub und Sauerburg (bei Sauerthal) angenommen hat. Er soll beide Burgen gut behüten und dafür vom Zollschreiber und Zöllner zu Kaub aus dem dortigen Zoll für jede Burghut 150 Gulden empfangen. Davon muß er Wächter, Turmknechte und andere Knechte halten.

1411: Ein Bürger von Oberwesel vermacht seine in Kaub liegenden Grundstücke der Stadtkirche. In der Urkunde heißt es: „myne gerten un wingerten vor dem hub (= Hof) testinen (= schenke) ich der hyl. Dryfaltigkyts Kirche zu Cube“.

1417, 4. November: Frater Wilhelm, Bischof von Askalon, Generalvikar des Erbischofs von Trier, erteilt den Besuchern der Pfarrkirche zur „Seligen Jungfrau Maria “ (B. Mariae Virg.) in Kaub einen vierzehntägigen Ablaß. Mit der genannten Kirche ist die Stiftung des Marienaltares gemeint. Dieser Altar hat sich bis heute als einer der beiden Seitenaltäre im kath. Kirchengebäude erhalten. Erwähnenswert aus diesem Zeitraum ist die berühmte Kauber Madonna, eine Lindenholzfigur, die der alten Stadtkirche im 30-jährigen Krieg abhanden gekommen ist und die heute eines der wertvollsten Exponate des Landesmuseums Kassel darstellt.

1431: Christina, die Witwe des Emmerich Stumpf von Waldeck, verkauft einen „Hof zu Huleneck“ (am Dicken Turm) mit Äckern und Wiesen an Kurfürst Ludwig III.

Um 1440: Das Langhaus der Kirche wird nach Nordosten umorientiert und zu einer dreischiffigen gotischen Anlage mit einem gestreckten und gewölbten Chor ausgebaut. Das Kirchenschiff ist seit altersher der heiligen Dreifaltigkeit (St. Trinitatis), der Chor dem heiligen Nikolaus geweiht. Die Kirche hat 9 Altarstiftungen, darunter den 1417 erwähnten Marienaltar.

1441: Beginn der noch erhaltenen Rats- und Gerichtsprotokolle mit Beilagen. Stadtoberhaupt ist der Schulthei6 (zuerst 1257 erwähnt), der aus Rat und Stadtgericht gewählt und durch den Amtmann der Landesregierung bestätigt wird. Ihm zur Seite steht als Hilfs- und Schreibkraft ein juristisch geschulter Stadt- und Gerichtsschreiber. Daneben gibt es 6 Ratsherren (die Schöffen, Liste von 1520 – 1608), ferner 2 Bürgermeister, einen Ratsbürgermeister und einen gemeinen Bürgermeister (Ämterbuch der Stadt von 1514 – 1638). Der Ratsbürgermeister führt die laufenden Amtsgeschäfte. Beide sind für 1 Jahr mit den übrigen Amtsträgern gewählt, der Ratsbürgermeister aus den Schöffen und der gemeine Bürgermeister aus den Vierern (Viertel- meister) und Schöffen. Die Vierer oder Viertelmeister ( seit 1633 belegt) sind die Vertreter der Bügerschaft gegenüber dem Stadtrat. Sie wer- den aus der Mitte der jeweiligen Bewohner der 4 Stadtviertel – Bächerviertel (am Holzbach), Linderviertel (Gebiet des Marktplatzes), Städter- viertel (Metzgergasse) und Zöllerviertel (Zollstraße) gewählt (bis 1805). Seit Übergang an das Herzogtum Nassau gibt es in Kaub (ab 1805) 6 Ratsmitglieder einschlieBlich des jährlich zu wählenden Bürgermeisters.

Das Stadtgericht besteht aus dem Schultheißen und 7 (im Jahre 1315), später nur 6 Schöffen. Ihr Zuständigkeitsbereich ist durch den Schöffenbrief des Kurfürsten Ludwig III. 1419 festgelegt. Ihnen steht zu, was „Hals und Haupt sowie Eigen und Erbe oder andere schwere Sachen“ anbelangt. Die dienstältesten Schöffen sind die Schöffenmeister (1608). Was nicht nach altem Brauch gerichtet wird, unterliegt der Rechtssprechung nach kurpfälzischer Landesordnung. Bei wichtigen Fällen ist seit dem 17. Jh. der Zollschreiber (Amtmann) in den Sitzungen zugegen oder die Sache wird an das Gericht des Amtes verwiesen. Bei bestimmten Polizeiangelegenheiten urteilen und strafen Bürger- meister und Rat allein. Die Haupteinnahmequelle der Stadt ist die Bede (seit dem 15. Jh. belegt), wobei unter- schieden wird zwischen der gemeinen Bede als Abgabe vom Grundbesitz und der Rauchbede als Haussteuer. Als sogenanntes Ungeld wird die Verbrauchssteuer von Wein und Bier erhoben. Hiervon erhält die Stadt ein Drittel, die Regierung zwei Drittel. Weitere Einnahmen sind das Markt- und Standgeld sowie Umlagen zur Deckung von Kriegskosten. Die ackerbauliche Wirtschaft – den Weinbau ausgenommen – gewinnt für Kaub nie große Bedeutung, da Wiesen, Felder und Weiden im Holzbachtal und auf der Höhe liegen. An Vieh werden Pferde (zwischen 1801 und 1812 18 – 24 Halfterpferde), Rinder (zwischen 1801 und 1810: 122 – 141 Stück), Schweine, Schafe, Ziegen, Hasen und Hühner gehalten. 1452: besteht in Kaub eine Schiffsleute – Bruderschaft. 7. Mai: Datiert von Kaub. Schließung eines Bündnisses zwischen dem Erzbischof Jakob von Trier und dem Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich I.

1454 – 1485: Führung eines Zinsregisters des Spitals zu Kaub.

1456, 9. April: Im Morgengrauen kommen die Pfalzgräflichen aus den 4 Tälern Bacharach, Steeg, Diebach und Manubach über den Rhein und zerstören gemeinsam mit den Kaubern den Galgen im Niedertal (ca. 2,5 km oberhalb von Kaub), sägen einen aufs Rad geflochtenen Verbrecher ab und werfen ihn den Berg hinunter. An der Gemarkungsgrenze zwischen Lorchhausen und Kaub, die gleichzeitig die Grenze zwischen Kurmainz und Kurpfalz ist, stehen (bis 1810) nicht weit vom Rheinufer entfernt, auf einem steilen Felsen am Eingang des Niedertales zwei Galgen, „die mit Stein gemawerten hohen Gerichte“. Der kurpfälzische Galgen auf der Kauber Seite ist ein „bescheidener Zweibein“, der kurmainzische auf Lorchhäuser Seite ist ein „Dreibein, größer, hervorragender und reichlicher bevölkert, als welcher dem weltlichen Kurfürsten zur Ableitung unsauberen Blutes dient“.

1466, 24. Juni: Abt und Konvent zu Schönau („Schonawe“) bei Strüth verkauften dem Zoll- schreiber Deiderich von Germersheim 2 Mark „ewig Geld“ (Zinsen), mit dem zwei Wingerte und ein Garten in Kaub belastet sind.

1472: ist das Zinsregister des Altares St. Michael im Beinhaus zu Kaub geführt. Pfalzgraf Friedrich schickt seinem Bruder, dem Erzbischof von Köln, zwei Schlangenbüchsen vom Pfalzgrafenstein.

1473: Erwähnung des Pfalzgrafensteins als Gefängnis und Gerichtsstätte in einem Weistum (Rechtssatzung) der Schöffen von Holzfeld bei St. Goar.

1479: ist die erste Kauber Schule nachweisbar.

1485: In der Mainzer Buchdruckerei Peter Schöffer erscheint das von dem Mediziner Johann Wonnecke von Cube verfaßte Werk „Hortus Sanitatis“ (Garten der Gesundheit), ein naturwissenschftlich bedeutsames Buch des Spätmittelalters.

1493, 6. September: Bürgermeister, Schöffen, Rat und die ganze Gemeinde Kaub bekunden, daß sie sich mit dem Meister Johann Wonnecke, Beseher von Kaub, Doktor der Arznei („der artzenyen doctor“), Arzt der Stadt Frankfurt („Franckfort“), wegen 5 Gulden Bede vertragen, die ihnen dieser jährlich zahlt. Meister Johann hat der Stadt 92 Goldgulden geliehen. Die Gemeinde kann nach 10 Jahren die 5 Gulden mit 92 Gulden wieder ablösen. Der Meister soll in den 10 Jahren und danach bis zur Ablösung der Schuldsumme das Bürgerrecht in Kaub besitzen.

1503: Nach dem Tode des Herzogs Georg des Reichen, dessen Tochter Elisabeth mit dem Pfalzgrafen Ruprecht vermählt ist, entbrennt wegen unbefriedigter Erbansprüche der bayerisch-pfälzische Erbfolgekrieg (1503 – 1507).

1504, 18. August bis 25. September: Die Stadt mit ihren beiden Burgen widersteht einer 39-tägigen erfolglosen Belagerung und Beschießung durch den Landgrafen Wilhelm von Hessen. Infolge leichtsinnigen Umgangs mit Schießpulver bricht am 4. September ein Großbrand in der Stadt aus, dem 11 Menschen und 20 Gebäude zum Opfer fallen. Diese kriegerischen Ereignisse bilden den historischen Hintergrund der Elsleinsage, einer Erzählung von Dr. C. Spielmann. Else Welzer, die Tochter eines Kauber Geschützgießermeisters, führt, als Soldat verkleidet, Entsatztruppen unter dem pfälzischen Heerführer Johann Landschad von Steinach von Bacharach über den Rhein nach Kaub und trägt somit entscheidend zur Befreiung ihrer Vaterstadt bei. Dieses Mädchen ist als das „Elslein von Kaub“ in die Stadtgeschichte eingegangen. Wegen der tapferen Verteidigung erhält die Burg auf der Höhe den Ehrennamen „Gutenfels“ (1508). 1508 –

1509: Instandsetzung des beschädigten Mauerwerks und Ausbau der Bastionen von Gutenfels.

1509: Amt Kaub: „Item 52 Gulden 14 Albus wechtern, dorhütern und dornknechten auf Gu- tenfels. Item 16 Gulden, 4 malter Korns dem wechter uff der pfaltz. Item 4 Gulden dem buwmeister und dem wechter uff der pfaltz für ir Kleidung“.

1514, 11. November: Hermann von Diebach und Peter Kruse verkaufen an Hans Fischer die Teile ihres Hauses gelegen „zu der bach uff der klinge“, belastet mit 1/2 Gulden jährlichen Zins an Fritz und Thomas Jakob zu „Derscheit“ (Dörscheid). Der Klinge(l)bach mündet gegenüber dem Dörscheider Weg (Fußpfad) in den Blücherbach.

1521 12. April: Kaiser Karl V. befiehlt auf Fürbitte des Kurfürsten Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein und auf Bitte von Bürgermeister, Rat und Einwohnern seiner und des Reiches Städte Bacharach und Kaub und der 4 Täler, daß niemand diese vor auswärtigen Gerichten belangen soll, bei 10 Mark Geldstrafe.

1544 – 1676: Weinmarktbuch der Stadt Kaub, das genaue Angaben enthält über die Weinmärkte, die verschiedenen Weinarten und Weinpreislisten. Auch die damals sehr regen Handelsbeziehungen zu Weinkaufleuten vom Niederrhein und aus den Niederlanden sind hierin belegt.

1552: Kurpfalz errichtet einen Bau für die Zollschreiberei (z. Teil auf der spätgotischen Stadtmauer von 1485 – 87), der 1667 einen rückwärtigen Wohnungsanbau (neben dem quadratischen Zollschreibertum) für den kurpfälzischen Amtmann erhält.

1560: Einführung des „evangelisch-protestantischen Kirchensystems“ (Reformation) in der Kurpfalz und damit auch in Kaub und den dazu gehörenden Dörfern Weisel und Dörscheid. Vermutlich gibt es schon seit 1546 in Kaub lutherisches Bekenntnis.

1578: hat Kaub 90 Bürger.

1582: Dachneueindeckung des Pfalzgrafensteins. Beginn der evangelischen Kirchenbücher.