Kaub – Geschichte der Stadt von 1600 – 1850

1607: Der Pfalzgrafenstein erhält durch Kurfürst Friedrich IV. an seiner Südspitze eine aus roten Odenwälder Sandsteinquadern gemauerte und mit Eisenklammern verstärkte Bastion mit Geschützstand. Diese dient gleichzeitig als Eis- und Wellenbrecher.

1610 – 1611: Bau der Kurpfälzischen Amtskellerei, die 1722 um das heutige vordere Hauptgebäude erweitert wird. Der Gebäude- komplex beherbergt zunächst die Verwaltung des Kurpfälzischen Unteramtes, später das staatliche Forstamt (sog. Oberförsterei).

1620, 30. September: Spanische Truppen unter dem Oberbefehl von Marchese Ambrosius de Spinola erobern die Stadt, Burg Gutenfels und die Pfalz. Befehlshaber der Besatzung ist General Consata de Corduba.

1620 – 1621: 57 Tote durch Pest.

1621, 4. Oktober: Zweite Stadtbesetzung durch Spanier unter dem Befehl des Grafen von Ostfriesland, Ritter Balthasar Baucen.

1622: Der Dörscheider Pfarrer D. Thomas Müselius, der den evangelischen Gottesdienst in Kaub hält, wird nach der Überlieferung beim Verlassen der Kirche am Portal von einem spanischen Soldaten aus Religionshaß hinterhältig erschossen.

1624 – 1625: 22 Pesttote.

1631, 25. Dezember: Der Schwedenkönig Gustav Adolf sendet von Mainz aus die Hessen zur Befreiung Kaubs. Der Oberst Konrad von Usselen bemächtigt sich in der Nacht mit 400 Mann der Stadt.

1632, 8. Januar: Nach eintägigem Beschu8 mit drei halben Kartaunen durch den hessischen Obristleutnant Tylo von Ußlar ergeben sich die Spanier auf der Burg Gutenfels und der Pfalz gegen freien Abzug. 1635 Juni: Die Kaiserlichen unter Feldmar schall Graf von Gallas besetzen Kaub. Die Stadt hat zeitweise kaum noch Einwohner, da diese vor den dauernd wechselnden und marodieren- den Besatzungstruppen in benachbarte Wälder und Höhlen geflüchtet sind. Ein auf dem Marktplatz von kaiserlichen Soldaten (unter der Führung des Hauptmannes Hastenteufel) entfachtes Lagerfeuer springt auf die nächstliegenden Häuser über, so daß der Häuserblock mit dem Rathaus, dem damals reform. Pfarrhaus und Schulhaus zwischen Marktplatz und Spitalgasse (im Städterviertel) in Schutt und Asche gelegt werden.

1636 und 1646: wohnen noch 36 Bürger in Kaub.

1639 – 40: Schwedische Besatzung in Kaub.

1640, 28. Oktober: Das Dorf Dörscheid leiht der Burg Gutenfels eine Glocke, für die sich der Zollschreiber Ruppel verbürgt.

1641, März: Wiederaufbau des abgebrannten reform. Pfarrhauses am Marktplatz, das 1729 wegen Baufälligkeit abgebrochen wird.

1645: Französische Truppen liegen in Kaub im Winterquartier.

1646: Kaiserliche und Darmstädter in Kaub.

1647, 19. Juni: Der hessen-kasselsche Generalleutnant Mortaigne nimmt nach eintägiger Beschießung eine Kompanie Fußvolk auf der Pfalz gefangen und erobert die Stadt mit Burg Gutenfels.

1649: Kaub wird nach dem Westfälischen Frieden wieder kurpfälzisch.

1654: gibt es in Kaub 66 Wohnhäuser und 198 Einwohner.

1655 – 1663: Wiederaufbau des im 30-jährigen Krieg abgebrannten Rathauses am Marktplatz (heute Marktstr. 4) als Fachwerkbau, der sich mit seiner Rückwand an die alte Stadtmauer neben dem dort 1511 errichteten 7-eckigen Treppenturm anlehnt. An Räumlichkeiten für die Verwaltung und das städt. Personal sind vorhanden: ein Bürgermeister- und ein Stadtschreiberzimmer, ein Wachlokal für den Polizeiaufseher, eine fensterlose Haftzelle, ein Feuerwehrgeräteraum sowie Wohnungen auf dem Speicher für Hebamme, Kuhhirt und Stadtknecht (Ratsdiener). Im Obergescho8 befindet sich ein kleinei Bürgersaal, neben dem ein zweifenstrige Schulzimmer (von 1863 – 1868) liegt.

1684: ist eine Lateinschule vorhanden, die vermtl. bis 1699 besteht. Bauvollendung der ersten Orgel in der Stadtkirche.

1685: Nach der Regierungsübernahme bei kath. Linie Pfalz-Neuburg wird das pfälzische Kirchensimultaneum begründet, das neben den Protestanten auch den Katholiken wieder die Religionsausübung gestattet.

1686: Neugründung der katholischen Pfarrgemeinde. Ihr wird zunächst ein kleines herrschaftliches Haus – die ehemalige Wohnung des Zollbesehers Heinrich von Rheindorf zwischen Mainzer Turm und Markttor an der Stadtmauer, gegenüber der heutigen „Bäckerei Manthe“) als katholisches Pfarrhaus überlassen. Im zweiten Obergeschoß wird ein kleiner Kapellenraum eingerichtet, wo Kapuziner aus Bacharach Gottesdienst halten. Der kath. Pfarrer Peter Fischer zieht wegen Unbewohnbarkeit des Pfarrhauses 1776 in den benachbarten Freihof (Mainzer Domhof) zur Miete. Die nachfolgenden kath. Geistlichen wohnen ebenfalls in Mietshäusern (u.a. im „Leienhäuschen“), bis die kath. Gemeinde 1870 ein Haus in der Schulstraße als Pfarrhaus erwirbt.

1687 – 1707: Simultane Nutzung der Stadtkirche durch Katholiken und Protestanten.

1688, 22. Januar: Der kath. Pfarrei wird von der Stadtgemeinde ein eigener konfessioneller Friedhof zur Verfügung gestellt. Dieser liegt im Bächerviertel, und zwar im Distrikt „Klinge“ (Gelände links des Klinge(l)baches, hinter dem Wohnhaus Blücherstr. 38, heute Gartengrundstück). Auf diesem kleinen Friedhof („in coeme- terio minori“) findet am 20. 04. 1701 die letzte Beerdigung statt.

1688 – 1697: Im pfälzisch-orleanschen Erbfolgekrieg fallen französische Truppen unter Mblac in die Rheingegend ein und lassen die meisten Burgen in Rauch aufgehen. Als 1689 eine Abteilung Franzosen von Bacharach nach Kaub kommt, um der Burg Gutenfels und der Pfalz ein gleiches Schicksal zu bereiten, soll dies durch das entschlossene Auftreten des damaligen Burgkommandanten, Obristwachtmeister Freiherr Coelestin von Freifeld, verhindert worden sein. Die franz. Soldaten sind nach Er- halt einer von der Bürgerschaft erpreßten Geldsumme wieder abgezogen, haben den Weg zum Fronborner (Sauerberger) Hof genommen und anschließend die Sauerburg zerstört.

1689: Beginn der katholischen Kirchenbücher.

1704: Die kath. Gemeinde errichtet eine einklassige kath. Konfessionsschule. Diese ist in einem Wohnhaus (heute Kirchplatz 3), das „In der Eck“ (des Kirchhofes) steht, untergebracht. Im Jahre 1732 erwirbt die geistliche Administration das Gebäude als offizielles Schulhaus und übereignet es 1799 kostenlos der Stadtgemeinde. Die Erhaltung des Gebäudes fällt damit der Gemeinde zur Last. Für das Jahr 1809 ist neben den damals üblichen Lehrgegenständen auch Lateinunterricht in der kath. Schule nachgewiesen.

1707: Vermauerung des spätgotischen Chorbogens der Kirche, so daß der Chor der katholischen und das Langhaus (Kirchenschiff) der evangelischen Gemeinde verbleibt, also zwei Kirchen unter einem Dach.

1730, 27. März: In einer Liste der Inhaber von Schornsteinen und Öfen in Kaub wird ein herrschaftliches Haus, gelegen im Städterviertel (gegenüber dem jetzigen Rathaus), als „Mainzer Domhof“ („Maynzische Dhomb Capitulische Hof“) überliefert. Dieser Freihof gelangt 1734 in den Besitz der Maria Spes, Freifrau von Witzleben, und von da 1751 als Schenkung zur Stiftung eines Armenfonds an das Kloster Allerheiligen in Oberwesel. Maria Spes von Bielefeld, verwitwete von Klettenberg, die 3. Frau des Adam Heinrich von Witzleben (Burgkommandant auf Gutenfels von 1712 – 1737) hat den Mainzer Domhof 1737 neu aufgebaut. Zu diesem Freihof gehören Weinberge, Kapitalien, Geld-, Korn- und Hühnerzinse. Eine alte Wappentafel mit den Wappen derer von Witzleben ziert heute das „Fischhaus Lenz“ und erinnert an das einst dort stehende, sich fast bis zur Spitalgasse (Eckhaus Werr) erstreckende und 1876 abgebrannte historische Gebäude.

1741: Der älteste aus diesem Jahr erhaltene winkelförmige Stadtgrundriß von Ingenieurleutnant Schlosser aus Mannheim vermittelt eine gute Vorstellung von der einstigen, heute noch teilweise vorhandenen Stadtbefestigung. Die Stadt Kaub hat sich aus zwei im Laufe von Jahrhunderten zusammenwachsenden Siedlungs- kernen im Mündungsbereich zweier benachbarter Bäche – Holzbach (seit 1814 Blücherbach) und Volkenbach – entwickelt. Die älteste Stadtummauerung, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Erbauung der Burg Cuba (seit 1508 Gutenfels) um 1200 umschließt den vermutlich ältesten Ortsteil, der sich vom romanischen Kirchturm bis zum Mainzer Torturm (Wachtturm) erstreckt. Diese älteste Stadtmauer ist heute größtenteils noch erhalten und als sogen. Hochwassernotweg ausgebaut. Eine erste Erweiterung dieser Umwehrung umschließt im 13. und 14. Jh. die Kurpfälzische Amtskellerei und endet am sogen. Zollschreiberturm. Eine zweite Stadterweiterung – sehr wahrscheinlich in Verbindung mit der Stadtrechtsverleihung in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (um 1324 – 1326) – erfaßt das Gebiet des heutigen Marktplatzes und der Blücherstraße durch Erbauung des Markttores, des Weseler Torturmes im Nordwesten, des Leiterberger Turmes (im Volksmund „Philippinenburg“) mit Pforte am Dörscheider Weg und des Weiseler Tores (auch „Schauls- oder Schaelspforte“). Die dritte Stadterweiterung erstreckt sich nach Süden bis zum runden Dicken Turm im Bereich der Volksbachmündung, wo einst als separates Siedlungszentrum ein Hof („zu Huleneck“) liegt und sich „Siebenhausen“ (benannt nach den dort stehenden sieben Häusern) sowie das Zöllerviertel (oder die Neustadt) entwickelt. Mitte des 19. Jh. erfolgt die vierte und vermutlich letzte größere Stadterweiterung. Ab 1840 werden im Nordwesten der Stadt der Manneweg (seit 1868 Schulstraße) und ab 1845 nach Süden die BahnstraSe angelegt und zunehmend be- baut. Ab 1904 erfolgt die Bebauung der Gartenstraße und des Kreuzweges, ab 1924 die Rheinuferstraße bis zum neuen Kauber Friedhof und ab 1928 die Adolfstraße (volkstümlich „Weierßchen“ genannt).

1742: leben in Kaub 180 Bürger und 32 Witwen. Zu den 133 Gewerbetreibenden in 31 Berufen zählen 39 Leienbrecher, 8 Steuermänner, 3 Nachenführer, 1 Schiffsbauer, 8 Schneider, 8 Küfer, 6 Bäcker, 6 Fuhrleute (Halfer), 5 Schuster, 5 Metzger, 4 Bierbrauer, 4 Krämer und 11 Tagelöhner.

1744: Bau der reform.. Schule über dem Kellerraum des alten Beinhauses (heute Eckhaus Klein, Blücherstr. 2/Kirchgasse). Dieses Gebäude brennt 1889 ab und wird anschließend durch einen Neubau ersetzt. Die kath. Schule befindet sich seit 1704 in dem vermtl. 1582 er- bauten Wohnhaus (jetzt Kirchplatz 3), das „In der Eck“ am Ende der Kirchgasse direkt am Steilnack neben dem Oberen Spital (jetzt Kirchplatz 5) steht. Auch ein angemieteter Raum im Gebäude Marktplatz 3 dient bis 1868 als Schulzimmer. Die beiden konfessionellen Kauber Schulen werden 1817 zur simuitanen Elementarschule vereinigt. Der Unterricht wird in beiden Schulhäusern weiter erteilt bis zum Bezug des neuen Schulgebäudes in der Schulstraße am 25. 11. 1868.

1748, 7. August: Ein schwerer Wolkenbruch, von dem auch die umliegenden Ortschaften heimgesucht werden, verwüstet die Kauber Weinberge und das Bachbett des Holzbaches (Blücherbach). Zwei Frauen und zwei Kinder werden von den zu Tal schießenden Fluten zum Rhein hin mitgerissen und ertrinken. mehrere Häuser „Auf der Bach“ werden durch Unterspülung der Grundmauern und Überschwemmung der Kellerräume „ruiniert“.

1749, 24. Mai: Die Unwetterkatastrophe vom Vorjahr wiederholt sich. Ein tosender Wasserstrom wälzt sich von den Bergen nach Kaub, „riß hier die Hälfte der Häußer weg auf der Bach“ und zerstört den Weg zum Kirchhof. Die Katholiken müssen „Pfade klettern“, um in ihre Kirche zu gelangen. 1754: Das Bachbett des Holzbaches erhält durch den Bauunternehmer Pfanner nach Plänen (1753) des Kapitäningenieurs Charles de Pfister, beide aus Mannheim, neue Einfassungs- mauern, die wegen mangelhafter Bauausführung wie – aufsicht bereits 1761 verfallen sind. 1770 –

1771: Ab 8. Februar Abbruch des vermauerten gotischen Kirchenchorraumes, der den Katholiken seit 1707 als Kirche gedient hat und Neubau der kath. St. Nikolauskirche im Spätrokokostil, nach Plänen des Baumeisters Rodenbach aus Lambsheim. Das Dach trägt als sogen. Dachreiter eine kleine sechseckige Haubenlaterne für 2 Glocken. Die Trennwände bei- der Kirchen, die nun wie ein Doppelhaus neben- einander stehen, sind zusammen 2,40 m stark. Dieser Kirchenbau löst anfangs heftige Auseinandersetzungen zwischen der kath. und evangl. Gemeinde aus, die in Tätlichkeiten auf der Bau- stelle und in einem Prozeß gipfeln. Die Klage der evangel. Gemeinde wird am Ende von der kurpfälzischen Administration kostenpflichtig abgewiesen.

1778: Nach mehrjährigem Prozeß (seit 1761) der Stadt Kaub gegen die Mannheimer Bauleute Pfanner und Pfister, die sich gegenseitig schwer belasten, erfolgt eine Nachbesserung der Einfassungsmauern des Holzbaches. Über den Bach führen im Ortsbereich vier hölzerne Brücken, die eine Verbindung zwischen der Landstraße und der rechten Häuserzeile herstellen.

1779: Auflassung des bei der Kirche gelegenen alten Totenhofes (heute Kirchplatz, wo das alljährliche Winzerfest gefeiert wird) mit dem mächtigen Sandsteinkreuz von 1736 und Neuanlage eines Friedhofs vor der Stadtmauer auf dem Gelände, wo ab 1866 die Volksschule errichtet wird. Parallel zur Südwand der Kirche auf der anderen Seite des neuentstandenen Kirchplatzes liegt das reformierte-evangel. Pfarrhaus (Kirchplatz 7, heute Arztpraxis), ein barocker Putzbau von 1730/31. Dieses Haus dient seit 1908 auch als ev. Gemeindehaus und beherbergt den ev. Kindergarten bis zum Kindergartenneubau am Manneweg im Jahr 1973.

Die seit dem 16. Jh. in Kaub wohnenden 3 – 5 kurfürstlichen Schutzjudenfamilien (bis 1842) besitzen einen eigenen kleinen Friedhof inmitten der Weinberge am Schloßweg oberhalb der Kurpfälzischen Amtskellerei (später Oberförsterei). Auch die Juden vom Bacharacher Amt werden hier bestattet. Noch ein zweiter, älterer Judenfriedhof soll sich im Volkenbachtal, Distrikt „Schafshütte“, befunden haben.

1780: Bauvollendung des Gasthauses „Zur Stadt Mannheim“, ein repräsentativer Barockbau, vermutl. nach Plänen des kurfürstlichen Hofarchitekten Rabaliatti. Dieser einstmals vornehmste Kauber Gasthof ist 1813/14 Blüchers Hauptquartier beim Rheinübergang und beherbergt seit 1913 das Blüchermuseum.

1787: Gutenfels und Pfalz haben einen gemeinsamen Kommandanten, der ein zur Ruhe gesetzter Stabsoberer (Obristwachtmeister Freiherr A. von Leinighausen) ist, 2 Leutnants, einen Kasernenverwalter, einen Zeughausinspektor, 4 Unteroffiziere und 110 gemeine Invaliden sowie das nötige Geschütz.

1793, März: Rheinübergang eines preußischen Korps unter Oberst Szekuly, wobei die Pfalzinsel Stützpunkt der Pontonbrücke bildet. 23. September: Die Besatzung auf Burg Gutenfels ergibt sich einem Kommando von 250 Franzosen mit 3 Kanonen.

1799: Die ev. Kirche erhält eine vierfüßige Orgel mit 14 Registern von dem Orgelbauer Engers aus Simmern. Eine Reparatur erfolgt 1836/37 durch den Orgelbauer Philipp Embach aus Rauenthal. Der Pfarrer Eugen Anthes verkauft 1879 die alte Orgel für 200 Mark an die Orgelbauer Gebr. Oberlinger aus Windesheim und läßt eine neue, größere Orgel durch die Orgelfabrik E. F. Walker aus Ludwigsburg aufstellen.

1800: Ausbau der Landstraße (Chaussee) nach Weisel. An der Stra8engabelung Weisel/ Dörscheid (in der Nähe des heutigen Elsleinbades) steht auf einem Felsen die St. Wendelskapelle (Ende des 18. Jh. nur noch als Ruine vorhanden), an die heute noch die Bezeichnung „Alte Kirch“ erinnert.

1801: Verkauf des Zollschreiberturms mit dem kurfürstlichen Amtshaus (volkstümlich „Leienhäuschen“ genannt) für 1500 Gulden an den Amtsschreiber Peter Schorn. Beide Gebäude kommen 1817 in den Besitz der Familie Kimpel.

1802, 1. September: Erlaß einer „Feuerordnung für die Stadt Caub“. 2. Dezember: Kaub wird nassauisch. Feierlicher Huldigungsakt in Anwesenheit des fürstlich nassauischen Regierungsrates Ph. Christian RöBler mit Gefolge aus Wiesbaden.

1802 – 1812: In Kaub gibt es 166 Wohnhäuser, 3 Scheunen, 3 Mahlmühlen am Holzbach vor dem Weiseler Tor und eine Stadtmühle (bis 1828) „Auf der Bach“ (heute Wohnhaus Blücherstr. 23). Die Stadtmühle soll nach der Überlieferung von seinem letzten Besitzer selbst angezündet worden sein. Dieser soll als letzter im Turm auf der Pfalz als Sträfling gesessen haben. Ab 1855 wird auf dem Rhein auch eine Schiffsmühle (etwas unterhalb der heutigen KD- Anlegestelle) betrieben, die dem Frühjahrshochwasser 1870 zum Opfer fällt.

1803, 18. September: Einrichtung der ersten Kauber Apotheke als Filialapotheke des Rüdesheimer Apothekers Benedict Koelges (Erlaubnis durch Dekret der fürstl. Regierung Wiesbaden vom 6. 7. 1803). Das 1. Apothekenhaus liegt im Linderviertel auf der sog. „Zunge“, ein Häuserblock zwischen der Blücherstraße, der Alleestraße und dem alten Marktplatz, der 1843 vollständig niederbrennt (daher später als „der Brand“ bezeichnet, heute Parkplatz mit dem Kriegerdenkmal). Der Apotheker Koelges verkauft im Januar 1804 die Filialapotheke seinem Provisor (Verwalter) Joseph Heinrich Flock, der sie als selbständige Amtsapotheke bis 1813 weiterführt. Flocks Nachfolger ist der Apotheker Bertram Simon, der die Amtsapotheke im Städter- viertel dem Mainzer Turm gegenüber (auf dem Grundstück des heutigen Hotels „Turm“) einrichtet. Dieses 2. Apothekenhaus, das auch die Synagoge (sog. „Judenschule“) der jüdischen Familien in Kaub beherbergt, wird beim Brand am 27. 7. 1846 eingeäschert, anschließend wieder aufgebaut. 1850 erhält der Apotheker Emil Flick die Konzession für eine Vollapotheke, die sich seit 1853 am Marktplatz befindet. Nachbesitzer sind die Apotheker Karl Flick 1882 und Eugen Kirchner 1906. Unter dem Apotheker Max von Harenne, der seit 1908 Inhaber der Kauber Apotheke ist, wird die „Amts-Apotheke Caub“ in „Hindenburg-Apotheke“ umbenannt. Seit 1937 ist die Apotheke im Besitz der Familie Schönberger- Fuchs. 1804 April: Auflösung der Burgbesatzung (eine Invalidenkompanie von 68 Mann), die bis dahin auch die Wachmannschaften in den Stadttürmen gestellt hat. Letzter Kommandant (1796 – 1804) ist Hauptmann Freiherr von Overkamp. 1. Dezember: Versteigerung des Mainzer Torturmes, auch Zoll- und Wachtturm genannt, der für 716 Gulden in den Besitz der Gebrüder Korb übergeht. Die bis zu diesem Jahr dort untergebrachte militärische Stadtwache wird auf- gelöst und durch eine nicht lange bestehende Bürgerwache ersetzt. Nachbesitzer des Mainzer Turmes sind der Apotheker Bertram Simon ab 1814 und David Erlenbach ab 8. 10. 1847. Seit 1974 ist der Turm im 8esitz von Maria und Josef Henrich in Recklinghausen.

1805: Versteigerung des Inventars von Gutenfels. Das noch militärisch verwendbare Gerät kommt nach Biebrich und auf die Marksburg (u.a. 3 Kanonen).

1806: Entfestigung (Sprengung) von Burg Gutenfels auf Befehl Napoleons (Histor. umstritten). 8. März: Versteigerung des Dicken Turmes, auch „Diebsturm“ und „Stollenturm“ genannt, der für 305 Gulden in den Besitz von Peter Straßburger gelangt. Die weiteren Besitzer sind ab 1837 die Wilhelm-Erbstollen-Gewerkschaft, 1866 das Königreich Preußen als Rechtsnachfolger des Herzogtums Nassau, ab 1870 die Firma Gebr. Puricelli, Rheinböllerhütte.

1807: Versteigerung des Holzwerkes (Dach, Dachbalken, Zugbrücke, Fußböden, Fenster, Türen, Bilder und Altar der Kapelle) von Burg Gutenfels auf Abbruch. 27. April: Ersteigerung des Leiterberger Turmes („Philippinenburg“) durch Jost Stentz und Verpfändung für 200 Gulden an den in Frankfurt wohnenden Junker Quedtrode. Nachbesitzer sind ab 1851 Martin Naumann, 1862 Philipp Matthias Schipper, 1869 Witwe Gertrud Schipper, geb. Fetz, 1869 Witwe Katharina Nink, 1955 Robert Kresa in Mainz, seit 1981 Horst Stöffler in Koblenz. 1813 13. Februar: Der Hochwasserstand über der Zollstra8e beträgt ca. 2,50 m, was ei- nem Pegelstand von 10 m entspricht. Im Mai Versteigerung des Gemäuers von Gutenfels auf Abbruch. 23. November: Einrichtung eines Krankendepots im Rathaus am Marktplatz für die Verwundeten und an „Nervenfieber“ (Flecktyphus) erkrankten Soldaten der Schlesischen Armee, das bis zum 16. Februar 1814 besteht.

1813/14: Blüchers Rheinübergang mit der Schlesischen Armee. 60000 preußische und russische Soldaten mit 28000 Pferden und 220 Geschützen passieren vom 1.– 6. Januar. den Rhein auf einer von russischen Pionieren errichteten Pontonbrücke, mit der Pfalzinsel als Stützpunkt. Kauber Schiffer setzen bereits in der Neujahrs- nacht mit 20 Holznachen einen Teil der Avantgarde (Vorhut) – 200 Brandenburger Füsiliere unter Major Graf von Brandenburg und Hauptmann von Arnauld – auf das linke Rheinufer über, was entscheidend zum Gelingen dieser militärischen Operation beiträgt.

1814: Die Einwohnerzahl beträgt 1228, die Zahl der Wohngebäude 175. 1815, 20. Januar: Blücher schreibt in Berlin einen Dankbrief an die Stadt Kaub. Dieses Schreiben wird im Blüchermuseum aufbewahrt.

1817: Auflösung des Oberen Spitals (jetzt Kirchplatz 5), das seit 1800 mit dem Unteren Spital (zwischen Kirchplatz und Stadtmauer) vereinigt ist. 24. März: Einführung der Nassauischen Simultanschule (und damit Vereinigung der katholischen mit der reformierten Schule zur Elementarschule) mit 8-jähriger Schulbesuchspflicht für alle Kinder vom 6.– 14. Lebensjahr. Lehrgegenstände sind Religion, Sprachunterricht, Realunterricht, Rechnen und Gesang. 18. Juni: Waterloo-Dankfeier. Die Nassauische Regierung stiftet 200 Gulden zur Ausrich- tung des Festes und zur Bewirtung der 9 Kauber Veteranen, die an der Schlacht bei Waterloo gegen Napoleon teilgenommen haben. Die Namen der Veteranen vom Herzoglich Nassauischen Regiment I. sind: Martin Napp, Jacob Dillenbur- ger, Carl Kimpel jun., Heinrich Stillarius, Anton Kimpel, Johann Baumann, Heinrich Storck, Adam Roersch, Hermann Lentz. Beim Böllern aus 6 Kanonen werden 19 3/4 Pfund Pulver verbraucht.

1818 18. Mai: Versteigerung des Weseler Turmes, der für 180 Gulden an den Schiffer Heinrich Böttner fällt. Dieser nordwestlichste Eckturm der Stadtbefestigung hat noch vier weitere Namen: Rotturm, Gefängnisturm, Grabenturm und Fuchsenturm. Letztere Bezeichnung deswegen, weil der Turm nach Heirat der Margarete Böttner mit dem Metzger Daniel Fuchs seit 1853 bereits in der 5. Generation im Besitz dieser Familie ist. 1820 1. Oktober: Kauber Schulchronik, angefangen von Jacob Müller, Lehrer der Knaben- Elementarschule.

1822 – 1856: Das Zufrieren des Rheines ist bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine fast alljährlich wiederkehrende Erscheinung. Aus den Aufzeichnungen des Steuermannes Jo hann Brien ergibt sich folgende Statistik. Der Rhein ist zugefroren:

1822 vom 19. 12. bis 1. 2. 1823;
1826 vom 9. 1. bis 15. 2.;
1827 vom 25. 1. bis 28. 3.;
1828 vom 16. 1. bis 24. 2.;
1829 vom 26. 12. bis 25. 2. 1830;
1831 vom 30. 1. bis 6. 2.;
1833 vom 6. 1. bis 6. 2.;
1835 vom 18. 12. bis 26. 1.
1836;
1838 vom 10. 1. bis 3. 3.;
1839 vom 30. 1. bis 10. 2.;
1840 vom 11. 1. bis 20. 1.;
1841 vom 4. 2. bis 15. 2.;
1842 vom 9. 1. bis 17. 1.;
1843 vom 14. 1. bis 27. 1. (Wasserstand 23 Fuß);
1844 vom 8. 12, bis 21. 12.;
1845 vom 9. 2. bis 21. 3. (Pegelstand 27 Fuß 9 Zoll, das Wasser kommt bis in die Spitalgasse);
1847 vom 1. 1. bis 9. 1.,
dann wieder zu bis 24. 1., anschließend Hochwasser,
am 1. 3. wieder Eis;
1855 vom 20. 12. bis 5. 1. 1856.
1823: wird in Kaub Dachschiefer in 12 Gruben gebrochen und bis nach Holland ausgeführt.

1824: Beginn der Dampfschiffahrt auf dem Mittelrhein. Der erste Dampfer, der „Zeeuv“ (= Seeländer) der Nederlandschen Stromboot- Maatschapij, fährt am 24. 10. in Rotterdam ab, kommt am 3. 11. nach Kaub zum sog. Sandweg (etwas oberhalb der Pfalz) und kehrt wieder nach Holland zurück.’ Am 16. Juni 1816 ist bereits das englische Dampfschiff „Caledonia“ von den Niederlanden bis nach Köln gekommen und hat die Ära der motorisierten Schiffahrt „ohne RoB und Segel“ eingeleitet. 1828: In der Kauber Gemarkung gibt es 62 Dachschiefergruben, die jährlich 13500 Reis (1 Reis = 3 Raumeter) fördern.

Die Gemarkung umfaßt an Fläche 3977 nassauische Morgen, davon enffallen auf Gebäude und Gärten je 8, Äcker 507, Wiesen 126, Wein- berge 641, Wald 2300, Brachland und Weiden 328, steriles Land und Wege 199. Bei 322 Haushaltungen gibt es 154 Gewerbetreibende in 28 Berufen, davon 23 Kaufleute, 21 Schiffer, 17 Steuermänner, 15 Wirte, 9 Schuhmacher, 9 Metzger, 8 Bäcker, 7 Küfer, 4 Branntweinbrenner, 2 Schiffsbauer.

1828 – 1829: Die Nassauische Regierung unter Herzog Wilhelm läßt den Holzbach (jetzt Blücherbach) vom Marktplatz bis zum oberen Stadttor überwölben, eine gepflasterte StraBe darüber bauen, den Marktbrunnen erneuern und 5 Röhrenbrunnen anlegen. Die erste Kauber Wasserleitung ist in der Weise ausgeführt, daß von einem ca. 60 m fassenden Sammelbehälter über gußeiserne Rohrleitungen die Lauf- oder Röhrenbrunnen im Ortsbereich gespeist werden. Das Quellwasser dieser Wasserleitung kommt aus zwei rechts des Biücherbaches in den Mühlenberg (etwa 250 m oberhalb des Weiseler Tores) getriebenen Stollen. Es fließt zunächst in eine an der Straße liegenden Vorkammer und von dort in den Sammelbehälter (1851 als „Cysterne“ bezeichnet). An der Zisterne (Blücherstraße 30) befindet sich der sog. „Zisternenbrunnen“, allgemein auch „Sternenbrunnen“ genannt. Versorgt werden von der Zisterne der Lochbrunnen (vor Blücherstr. 11 und 13), der Schulbrunnen an der ehemaligen reform. Schule (Blücherstr. 2, Hof), der Marktbrunnen, ferner der Brunnen am alten kath. Pfarrhaus (Metzger- gasse 13, Ecke Rossigasse) und schlieBlich der an der Stadtmauer am Mainzer Tor (beim Hotel „Turm“). Außer diesen von dem Sammelbehälter gespeisten Laufbrunnen, die alle Ventilverschlu8 haben, wird später noch ein Brunnen in der Nähe des Bahnhofes von einem separaten Behälter im Volkenbachtal gespeist, der jedoch ohne Ventilverschlu8 ist. Hinzu kommt nach 1876 der Bergrutschbrunnen, ein Laufbrunnen auf der Hochstraße, aus der Entwässerung des Bergrutschstollens.

Die Trinkwasserversorgung der Bewohner erfolgt vor dem Bau dieser ersten einfachen Wasserleitung durch 3 Gemeindebrunnen: den Marktbrunnen am Marktplatz (seit 1743 nachweisbar) für das Linder- und Städterviertel, den Lochbrunnen im Bächerviertel (Blücherstraße) und den Ziehbrunnen im Zöllerviertel. Der Marktbrunnen wird aus der an der Chaussee nach Weisel liegenden Quelle des Mühlenber- ges zunächst über steinerne, ab 1810 z.T. auch bleierne Rohrleitungen gespeist. Außerdem decken viele Bürger ihren Wasserbedarf aus eigenen Haus- und Gartenbrunnen. 1833: Archivar Gustav Habel aus Schierstein rettet durch Ankauf die Ruine Gutenfels vor dem endgültigen Verfall. Die nachfolgenden Besitzer sind: Kreisrichter Konrady in Miltenberg 1868, Dr. Müller in Koblenz 1886, Architekt Gustav Walter in Köln 1888, Herzog Heinrich Borwin zu Mecklenburg 1909, Dr. Ing. Massenez in Wiesbaden 1911, Fabrikant Georg Edel zu Schüttorf 1935, Bergrat a.D. Werner Dubusque 1952, Fabrikant Wilii Maurer, in Boppard, seit 1959.

1837: gibt es in der Gemarkung 131 Schiefersteinbrüche, meistens 2 – 4-Mannbetriebe, die jährlich rund 24000 Reis (= 72000 m) im Untertagebau fördern. Gründung der Gewerkschaft Wilhelm Erbstollen durch Zusammenschluß vieler kleiner Schiefergruben in der Gemarkung unter staatlicher Beteiligung.

1838, 10. Januar: Auf dem zugefrorenen Rhein stehen drei „Hütten“ von den Wirten David Erlenbach, Karl Herberich Wwe und Franz Beysiegel, gebaut „zum Zapfen“. Karl Herberich Wwe läBt einen Hammel auskegeln, Franz Beysiegel ein Halstuch. „Es sind soviel Menschen auf dem Eis als beim gröBten Markt“. Das Eis geht fort am 2. und 3. März. 1841 13. Februar: Hochwasser und „Eisfahrt“ (Treibeis). Der damalige Wasserstand würde heute einem Pegel von ca. 9,50 m ent- sprechen, wie mehrere Markierungen in der Zollstraße belegen.

1843, 7. Oktober: Brand im Gasthaus „Zum Lamm“ (heute Marktplatz 5, Besitzer Franz Beysiegel). 25 Gebäude brennen ab und 36 Familien werden obdachlos. Von diesem Großbrand wird vor allem eine eng zusammenhängende Häusergruppe, die sog. „Zunge“ betroffen, welche die Blücherstraße an ihrem unteren Ende in 2 Straßenzüge aufteilt. Die vernichteten Gebäude werden dort nicht mehr aufgebaut. Die Brandstätte bietet später den Platz für das Kriegerdenkmal und den Parkplatz vor der Kirche.

1844: Fräulein Vemel aus Hanau gründet ein privates Mädcheninstitut (Töchterschule), das bis 1848 besteht. Außer dem üblichen Lehrstoff erhalten die Mädchen Unterricht in Französisch und feinen weiblichen Handarbeiten.

1845: Gründung zweier Gesangsvereine. 24 katholische Mitglieder unter Leitung von Lehrer Schirg singen nur kirchliche Lieder, 60 ev. Mitglieder unter der gemeinsamen Leitung der Lehrer Schmidt und Geis singen kirchliche und pro- fane Lieder. Erneute Verlegung des Totenhofes einen halben Kilometer rheinabwärts (ins ehemalige Weinbergsgelände an der Rauscheley), wo die noch heute simultan genutzte Begräbnisstätte eingerichtet wird.

1846: Gründung einer Gewerbeschule (Zeichenschule für Gesellen) durch den Archivar Gustav Friedrich Habel aus Schierstein. 27. Juli: Brand im Gasthaus „Goldener Stern“ (Bes. Peter Wilhelm Kirdorf), dem 22 Wohnhäuser ( darunter die Apotheke) samt Nebengebäuden in der Metzgergasse und am Schloßweg zum Opfer fallen.

1848 6. und 7. Oktober: Brand im Haus des Gabriel Erlenbach im Zöllerviertel. 30 Gebäude brennen ab und 60 Familien werden obdachlos. 12. Oktober: Einzelbrand eines zweistöckigen Wohnhauses (Bes. Karl Kimpel) im Zöllerviertel.