Kaub – Geschichten: Das Wappen von Kaub

Über die Jahrhunderte wechselten Stadtwappen und Ratssiegel mehrere Male Form und Aussehen. So kennen wir aus dem 14. Jahrhundert den heiligen Petrus, später den heiligen Nikolaus bzw. Heiligen Theonest als Schutzheiligen und Wappensymbol. Am 12. Mai 1956 wurde der Stadt Kaub durch das Innenministerium von Rheinland-Pfalz das neue, heutige Wappen verliehen, welches einen viergeteilten Schild zeigt.

Die weiß-blaue Rautierung im linken oberen Feld dokumentiert die über 500jährige Zugehörigkeit zur Kurpfalz.

Die Wappensymbole der drei übrigen Felder, stilisierter Rheinstrom mit Anker, Weinrebe mit Traube sowie Schlägel und Eisen, versinnbildlichen die ehemaligen Hauptberufsstände Kaubs, nämlich Schiffer, Winzer und Bergleute.

Anhand der Wappensymbole möchte ich Ihnen diese Berufszweige vorstellen und näherbringen.

Der im rechten oberen Feld dargestellte Anker mit Flußlauf verdeutlicht die einstige berufliche Verbundenheit eines Teiles der Kauber Bevölkerung mit Rheinschiffahrt und Lotsenwesen. Heute hat dieser Erwerbszweig für Kaub viel von seiner ehemaligen Bedeutung verloren. Bedingt durch bessere Verkehrsanbindungen an die nächstliegenden Industriestandorte und durch die Auflösung der Kauber Lotsenstation, haben sich viele ehemals „Schiffische“ nach einer Beschäftigung an Land umgesehen.

Die Schiffahrt auf dem Rhein hat eine alte Tradition. Schon vor unserer Zeitrechnung gab es nachweislich Flöße und einfache Holzschiffe. Später, ab dem 16. Jahrhundert, baute man größere Fahrzeuge, die rheinabwärts Wind und Strömung ausnutzten und rheinaufwärts von Menschen oder Pferden getreidelt, d. h. gezogen, wurden. Im vergangenen Jahrhundert setzte dann eine enorme technische Entwicklung ein, die hier nur am Rande erwähnt werden soll. Stählerne Schiffskörper, Seitenschaufelrad- und Schraubendampfboote waren vor Schiffen mit Dieselmotoren die nächsten Glieder bis zur heutigen Schubschiffahrt.

Um den Rhein als Wasserstraße noch besser nutzen zu können, wurde die besonders gefahrvolle Mittelrhein-Strecke durch bauliche Maßnahmen in den letzten zwei Jahrzehnten auf den neuesten verkehrstechnischen Erkenntnisstand gebracht. Als negative Folge für Kaub ergab sich, daß auf der Mittelrhein-Strecke für die Schiffahrt keine Lotsen mehr benötigt wurden.

Hierdurch verloren etwa 100 Kauber Lotsen ihren Broterwerb. Trotzdem gibt es auch heute noch einige Kauber, die den Schifferberuf, sei es als Selbständige oder aber als Angestellte, ausüben.

Zu dem rechten unteren Feld, welches Schlägel und Eisen diagonalgekreuzt zeigt, sei folgendes über den Schieferbergbau bemerkt:

Vor etwa 350 Millionen Jahren, in der Devonzeit, war auch unser Rheingebiet vom Meer bedeckt. Sickerstoffe lagerten sich in seiner Tiefe schichtweise übereinander ab. Druck und bindende Stoffe bewirkten ein festes Gefüge. Teile aus Quarz, Feldspat, Glimmer und Tonschlamm ließen die Grauwacke bzw. Tonschiefer entstehen.

Die erste urkundliche Erwähnung Kauber Schieferabbaues finden wir am 3. Januar 1355 als Ruprecht der Ältere, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern, dem Burggraf Kuno von Reiffenberg die Einbehaltung eines Drittels des Schieferzehnten in Kaub für 400 Pfund Heller gewährt. Daß es aber Schiefergewinnung in Kaub schon bedeutend früher gegeben haben muß, belegen Freilegungen römischer Baulichkeiten im Raume Wiesbaden, bei deren Errichtung eindeutig Kauber Schiefer verwandt wurde.

Kaub war zur Blütezeit der Schiefergewinnung Hauptsitz des rheinischen Schieferbergbaues. Schieferhalden in Kauber Gemarkung lassen noch den früheren großen Umfang des Tagbaues erkennen. Hier hatte die Natur Schurfarbeit geleistet und die Schieferlager waren als edel freigelegt. Klang und Farbe der Schieferplatten ließen eine ausgeprägte Wetterfestigkeit erkennen. Der Rhein ermöglichte die Verladung auf Schiffe und Flöße. In späterer Zeit wurde dann der Schiefer im Untertagbau gewonnen. Die Arbeit der Kauber Bergleute war hart. So mußten doch die gewonnenen Schieferplatten über Treppenschächte auf dem Rücken zu Tag gebracht werden. Die inzwischen betriebene Förderung mit Pferden wurde 1913 eingestellt und durch Lokomotiven ersetzt.

Einige Gruben sind den älteren Einwohnern Kaubs dem Namen nach noch bekannt. Rennseiter-Stollen, Ernestine, Barbara-Stollen, Pfarrwiese, Jakobsberg, Grube Ludwig und Wilhelm-Erbstollen, welcher im Jahre 1972 wegen schlechter Auftragslage geschlossen wurde.

Der Rückgang des Schieferbergbaues und seine schließliche Einstellung bedeutete für Kaub den Verlust von Arbeitsplätzen und Steueraufkommen sowie verstärkten Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung.

Das letzte, linke untere Feld mit Rebe und Weintraube, ist dem Berufszweig der Winzer oder Weinbauern gewidmet. Der Sage nach soll uns Kaubern der hl. Theonest, der in Mainz von heidnischen Arianern gesteinigt, in ein durchlöchertes Weinfaß (Kufe) gesteckt und in den Rhein geworfen wurde, den Weinbau gebracht haben. Denn anstatt wie erwartet, mit dem Weinfaß zu ertrinken, wurde er, wie durch ein Wunder, gerettet und durch die Strömung an Land getrieben.

Den Ort seiner Landung nannte er zum Dank für seine wunderbare Rettung nach der Kufe – Cuba, woraus im Laufe der Zeit Kaub entstand. In Erinnerung an das Weinfaß, das ihm das Leben rettete, lehrte er die Bewohner von Cuba, Reben zu pflanzen und aus den Trauben Wein zu bereiten.

Die Geschichte sagt uns jedoch, daß der Weinbau auf Befehl des römischen Kaisers Probus (276 – 282 n. Chr.), anläßlich einer Rheinfahrt von Köln nach Mainz, in der heutigen Mittelrhein-Region eingeführt wurde.

In der Volksmeinung ist die Ansicht weit verbreitet, daß der Wein ein gesundheitsförderndes Genußmittel sei. Mäßiges Weintrinken kann nach allgemeiner Auffassung ein hohes Alter garantieren. Diese Weisheit findet schon in der Bibel ihren Niederschlag, wo es im Buche Sirach heißt: „Wein in Maßen genossen, bedeutet ein zweites Leben.“ Viele Ärzte unserer Tage klassifizieren den Wein mit dem schablonenhaften Begriff Alkohol ab. Wieviel klüger und menschlicher handelten da doch die Ärzte vergangener Jahrhunderte, die ihren Patienten durch die Verordnung oder Empfehlung einer angemessenen Menge Wein halfen, seelische Tiefpunkte zu überwinden und neue Lebensgeister zu wecken. So bemerkte auch schon der griechische Schriftsteller Plutarch (etwa 100 J. n. Chr.):

„Der Wein ist unter den Getränken das Nützlichste,
unter den Arzneien das Schmackhafteste,
und unter den Nahrungsmitteln das Ange-nehmste!“

Doch nun zurück zum Weinbau in Kaub.

Die am häufigsten angebaute Rebsorte am Mittelrhein ist der Riesling. Er wird von allen Traubensorten als letzte geerntet. Die Beeren sind klein, der gewonnene Wein hat viel Geschmack und eine frische Fruchtsäure. Neben dem Riesling hatte der Silvaner in Kaub eine große Bedeutung. Heute ist er nur noch vereinzelt anzutreffen. Der Müller-Thurgau ist ein Wein mit harmonischer Säure, leichtem Bukett und er sollte jung getrunken werden.

Neben diesen Sorten werden in Kaub noch angebaut:

Scheurebe, Ehrenfelser, Gewürztraminer, Kerner, vereinzelt auch blaue Sorten, wie Spätburgunder und Portugieser.

Um die Jahrhundertwende wurden in Kaub etwa 200 ha Weinberge bewirtschaftet. Viele Kauber Lotsen und Bergleute hatten im Nebenerwerb einige Weinberge, welche in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen eine willkommene Einnahmequelle waren. Nach dem 2. Weltkrieg ging der Weinbau stark zurück. Schwere, körperliche Arbeit, weite Fußwege zu den einzelnen Parzellen und der begrenzte Einsatz von Maschinen trugen mit dazu bei, die Struktur in Kaub zu verändern. Durch die Flurbereinigung in der Gemarkung Blüchertal Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, wurde wieder eine große zusammenhängende Fläche aufgebaut. Ohne diese Maßnahme wäre der Weinbau sicherlich noch weiter zurückgegangen.

Leider ist in letzter Zeit vermehrt festzustellen, daß Rebflächen, auch im Flurbereinigungsgebiet, nicht mehr bewirtschaftet werden. So bleibt nur die Hoffnung, daß trotz aller Rückläufigkeit dieser Berufszweig noch viele Jahre für Kaub erhalten bleibt.

Zum Schluß noch ein kleiner Weinspruch:

Wer täglich brav und wacker werkt,
dem sei vergunnt, daß er sich stärkt!
Und stärkt er sich mit gutem Wein,
darf auch die Vesper flüssig sein“