Kaub – Geschichten: Die Schweden in Kaub Weihnachten 1639

Vor 352 Jahren, im Dezember 1631, waren die Schweden unter König Gustav Adolf an den Rhein gekommen. Die „Schwedenzeit“ am Rhein begann. Bei den hin- und herwogenden Kämpfen wurde Kaub mehrfach erobert und besetzt. Eine Episode aus diesen Kämpfen des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) schildert der damalige Kauber Ratsschreiber Hermann Nonius wie folgt:

„Zu wissen, daß die schwedische oder weimarische Armee, nachdem sie Alzey, Kreuznach, Bingen und Bacharach eingenommen und besetzt auch endlich gen Wesel (Oberwesel) verfügt, daselbsten mit kleinen Nachen sich übersetzen lassen, den Rheinweg herauf marschiert und den 17. Dezember 1639. Jahres bei dunkeler Nacht zwischen 12 und 1 Uhren eingefallen, und, weil Kaub allenthalben offen, ohne einigen Widerstand zu der Mainzer Pforten kommen, sich auf den Markt gestellt, alle Trummeln schlagen lassen und so einer dem andern zugerufen „werda“, worauf einer geantwortet „la force“, der andere schwedisch, der dritte „Gott mit uns“. In welchem Tumult sich die Bürger verkrochen. Denen sie aber daheim gefunden, bis aufs Äußerste geängstigt und ausgezogen. Die Soldaten hatten sich mit Lichtern wohl versorget, damit die Dunkelheit in den Häusern nichts verbergen sollte.

Und also von Haus zu Haus eingebrochen, und was sie gefunden, so ihnen dienlich gewesen, nicht liegen lassen, nemblichen viel Wein ausgetrunken, das Fleisch und was zu essen gedienet, ausgepackt und solang es gewähret mit täglichem Essen und Trinken wohl gelebet. Und obwohl des Morgens, welcher war Mittwoch der 18. Dezember, auf etliche Bürger Begehren die Trummeln wieder geschlagen und das Plündern verboten worden, hat es doch weniger als nichts geholfen. Den 19. und 20. haben sie Quartier gemacht unterm Schein, als ob die einlogierten Soldaten ihre Bürger vor anderen Soldaten beschüt- zen sollten. Dieses hat auch wenig profitiert, denn wenn sie schon andere abgehalten haben, sie selbsten, was noch übrig gewesen, dem armen Hausmann genommen, daß er also mehr nichts als das barste Leben übrig behalten. Den 24. Dezember als Christabend sind etliche ungefähr 50 oder 60 Mann bei tiefer Nacht abgeordnet, so das Schloß Gutenfels einnehmen sollten, aber davon abgeschlagen worden. Viele mit Steinwerfen und Schießen verwundet und auch etliche tot geblieben, welche herabgetragen und auf dem Stadtkirchhof begraben worden“.

Des besseren Verständnisses wegen ist der Text, soweit es notwendig erschien, ins Neuhochdeutsche übertragen. Es sei noch bemerkt, daß damals Bernhard von Weimar das Kommando über die verbündeten Schweden und Franzosen hatte. Nach den angeführten Ausrufen zu urteilen, bestand die Besatzung in Kaub aus Schweden, Franzosen und Deutschen. Die schwer einnehmbare Burg Gutenfels war seit 1635 von kaiserlichen Truppen besetzt. Kommandant der sich tapfer verteidigenden Burg war seit November 1639 Leutnant Johann Rücker.